Liebe Pfarrgemeinde von St. Wolfgang,

am Ostermontag hören wir wieder das Evangelium vom Emmausgang. Zwei Jünger sind unterwegs – geschlagene Leute! Sie lassen den Kopf hängen und sehen die Sonne nicht mehr. Von Ostern keine Spur! Sie gehen enttäuscht von Jerusalem weg, denn ihre tiefste Hoffnung auf Jesus den Retter hat sich scheinbar zerschlagen: Er ist gekreuzigt, getötet, weg. Während die zwei niedergeschlagen und enttäuscht ihren Weg gehen, gesellt sich ein Dritter zu ihnen, als wäre er immer schon mitgegangen. Sie wissen nicht, wer er ist, sie müssen ihn neu kennenlernen. Er hört sich an, was die beiden bewegt. Sie haben auf Jesus gesetzt und von ihm das Heil erwartet. Und nun ist er schmählich am Kreuz gescheitert. Über diesen Punkt kommen sie einfach nicht hinweg. Der unbekannte Dritte hört, fragt, bringt zum Nachdenken. Er verweist auf die Hl. Schrift und öffnet ihnen die Augen.

Die Frage nach dem „Warum“ des Leids und des Todes ist nicht mit einem Satz zu erledigen. Diese Frage braucht zur Antwort einen langen Weg – ja ein ganzes Leben! Da gibt es keine Abkürzungen – und lange nach Ostern sind wir oft genug weit vor Ostern. Es ist gut zu wissen, dass man Jesus nicht erst am Ende des Weges treffen kann, sondern schon unterwegs.
Der Abend bricht herein. Das Gespräch unterwegs allein kommt gegen das Dunkel der Ratlosigkeit nicht an. Deshalb die Bitte: „Bleibe bei uns …“, damit wir mit unseren Fragen nicht unter uns bleiben müssen. Als sie mit ihm zu Tisch sitzen, „nahm er das Brot, sprach das Dankgebet, brach es und gab es ihnen.“ Da gehen den beiden Jüngern die Augen auf. Im Brotbrechen, bei der Eucharistie ist er da, der ganze Jesus.

Ich wünsche uns allen, dass wir den Weg des Lebens zusammen mit Jesus gehen. Oft sehen, erkennen und verstehen wir ihn nicht. oft ist uns das Herz schwer von Trauer und Not. Oft verstehen wir nicht, was das alles soll. Aber: Er geht mit! Und jede Woche, wenn wir uns um den Altar versammeln und das Brot brechen, können uns die Augen und das Herz aufgehen. Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest.

Ihr Pfarrer Wolfgang Hierl