Liebe Pfarrgemeinde, liebe Christen,

dieses Jahr war uns die Frühlingsblütenpracht schon Wochen vor dem Osterfest geschenkt.
Das kraftvolle Osterlied von Friedrich Spee (1591 - 1635) „Jetzt grünet was nur grünen kann, die Bäum' zu blühen fangen an“ (aus: „Die ganze Welt, Herr Jesus Christ …“ GL 332*) scheint eine bereits verblühte Kraft zu besingen.
Das Osterfest jedoch feiert ja nicht den Frühling, sondern der Frühling ist ein Beispiel für das gewandelte Leben.

Ein anderes treffendes Bild ist ein Weizenkorn, das aus der Erde keimt und neue Frucht bringt, wenn es sich selber gibt. Auch hier hat das Jesuswort (Joh 12,24) ein Lied gefunden: „Das Weizenkorn muss sterben…“ (GL 210*). Das Weizenkorn dient als Beispiel für das gewandelte Leben.

Darum geht es wohl: Christi Tod wandelt sich in unbegrenztes Leben, wir Menschen werden mit Christus zum unsterblichen Leben aufstehen.

Die Taufe schafft uns die Verbindung mit Christi Leben, wir erhalten Anteil an seinem Tod und seiner Auferstehung. Der Kolosser-Brief schreibt dies so: „Denn ihr seid (in der Taufe) gestorben und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott!“ (Kol 3,3)
Eingetaucht ins Wasser der Taufe, übergossen mit dem Wasser – lebt Christus in uns, gibt er uns Anteil an seinem Leben:
Österliches Leben in uns, der auferstandene Herr Jesus lebt in uns.
Die Taufe wandelt unser begrenzte in das unbegrenzte, österliche Leben – bereits jetzt und für immer!

Dessen sich zu vergewissern,
dies jedes Jahr neu zu feiern,
sich immer neu dem Geschenk Gottes auszusetzen,
sich damit vertraut zu machen:
So feiern wir Ostern – hier und heute
und ich freue mich, mit Ihnen in St. Wolfgang das hohe Fest begehen zu dürfen, verbunden mit allen Christen weltweit:

Jenes Ostern, das die Nacht im Licht zerbricht!

Christus ist auferstanden!
Er ist wahrhaft auferstanden!

Ihr
Anton Högner

(*) Die GL-Nummern beziehen sich auf das neue Gotteslob.

Das Titelbild "Wenn das Weizenkorn nicht ..." gemalt und fotografiert von Rosemarie Rüttinger, Hettstadt, 2007

Triduum Paschale

Die „Drei Heiligen Tage“ vom Abend des Gründonnerstags über den Karfreitag hin zur Feier der Osternacht sind das geistliche Herzstück des christlichen Glaubens. Es ist eine einzige große Feier, die sich in diesen drei Tagen von Ostern her entfaltet.

Die Tagesnamen kommen aus mittelalterlicher Sprache:
Gründonnerstag: das Wort „grün“ hat wohl nichts mit Farben zu tun, es leitet sich möglicherweise von „greinen“ ab, weinen. „Jetzt greint er!“ sagen manche heute noch. Die „Greinenden“ (= die in den 40 Tagen Buße taten) wurden wieder in die Gottesdienstgemeinschaft aufgenommen. Es finden sich jedoch auch Herleitungen vom lateinischen Wort virides = (lat.) grün, frisch, grünen: die Büßenden, die in den 40 Tagen wie dürre Zweige waren, werden wieder in die gottesdienstliche Feier aufgenommen, werden „grünes, frisches Holz“ (vg. Lk 23,21).
Karfreitag/Karsamstag: „Kar“ kommt vom althochdeutschen „kara“ und bedeutet Trauer, Kummer, Klage. Es beschreibt den Gemütszustand der Jesus-Jünger bei dessen gewaltsamen Tod.
Das deutsche Wort Ostern leitet sich von germanischen Wurzeln ab, wohl von „austro“ = Morgenröte, hell-werden. Auch die Himmelsrichtung „Osten“ hängt damit zusammen: Der Ort der aufgehenden Sonne gilt im Christentum als Symbol des auferstandenen und wiederkehrenden Jesus Christus. Ostern, Osten, Orient, Orientierung – sehr tiefsinnige Zusammenhänge!

Pessach

Die hebräische Bezeichnung ist Pessach, die griechische Pas cha! In der Vollmondnacht des Frühlings liegt der Ursprung unseres Osterfestes. Die Wurzeln des Pessachfestes gehen weit zurück in die Kulturgeschichte. Pessach entstand auf der arabischen Halbinsel aus einem Weidewechselfest der dortigen Nomaden, die mit ihren Schafen und Ziegen von der Winter- zur Sommerweide zogen. Das Blut des eigens dafür geschächteten Lammes - im Blut sitzt das Leben - an den Zelteingängen sollte widrige und böse Mächte abhalten (apotropäischer Ritus) und das Leben und Überleben der Herden und der Hirten bewahren.

Die Jüdischen Gemeinden begehen Pessach in der Vollmondnacht des Frühlings und eröffnen die fünfzig Omertage mit dem Seder-Abend. Zur Nacht vom Montag auf Dienstag unserer Karwoche, am 14. 4. werden um 19.43 Uhr die Festtagskerzen angezündet, es ist Seder, der Anbruch des Pessach-Festes! Die Rettung aus Ägypten wird festlich begangen.

Der Seder-Abend gehört der Familie, die zu einem rituellen Mahl zusammenkommt. Die Ordnung (= Seder, hebr.) kennt eine genau festgelegte Abfolge. Das Abendessen wird mit der Frage des Jüngsten eröffnet: „Warum ist diese Nacht anders als alle anderen Nächte?“ Darauf erzählt die Tischgemeinschaft die Rettung aus Ägypten, die bis heute andauert, den Adonai rettet die seinen immer wieder. Dazu werden Mazzot (ungesäuertes Brot), Maror (ein Bitterkraut - heute meist Meerrettich), Charosset (eine Mischung aus Apfel- bzw. auch Feigenstückchen, Datteln, Nüssen), mehrere (4) Gläser Wein und ein festlicher Braten gereicht.

Aus dem Pessach-Mahl haben wir Christen die Osterspeisen übernommen: Sie sind am Ostertag die erste Mahlzeit noch vor dem Frühstück. Schinken (als Hinweis auf das Lamm), Ei, aus dem neues Leben bricht, Apfel und Krenn (Charosset und Maror) und vor allem das Osterbrot (die jüdische Mazzot). Dazu brennt auf dem Tisch das Licht der Osternacht. Der Lobpreis Gottes, den wir über diesen Speisen in der Osternacht und bei den Gottesdiensten am Vormittag des Ostersonntags sprechen, drückt die hohe Wertschätzung aus, die den Osterspeisen zukommt.

Ursprünglich haben wir Christen ebenfalls in dieser Vollmond-Nacht Ostern gefeiert. Das Konzil von Nizäa (325 n. Chr.) legte das Osterfestdatum auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond von Jerusalem fest. Es dauerte allerdings lange Zeit, bis sich diese Terminvorgabe allgemein einstellte. Das uralte Weidewechselfest der Nomaden der arabischen Halbinsel bestimmt durch die jüdisch-christliche Tradition bis heute den Kalender unserer Zeit, ein hochinteressantes, ökumenisches und völkerverbindendes Ereignis!

An Pessach (15. 4. 2014) liest die jüdische Gemeinde das Hohe Lied Salomons. Das Hohelied (Hld) ist in der heiligen Schrift eine Sammlung von ca. 30 einzelnen Liebesliedern, die zu einem Dialog zwischen Frau und Mann komponiert wurden. Dabei steht die Frau offenkundig im Mittelpunkt, ihre Lieder eröffnen und beschließen die Sammlung, von ihr geht die Initiative zur Liebe aus. Wir Christen ordnen das Hohelied in die Liste der Weisheitsbücher.

Die Osterzeit

Die Osterzeit dauert fünfzig Tage von Ostersonntag bis Pfingsten, wird aber im Gottesdienst wie ein einziger Festtag gefeiert. Der Jubel über die Auferstehung äußert sich besonders im Ruf „Halleluja" (Lobt Gott). Die Osterkerze ist Zeichen der Gegenwart des Aufer¬standenen in seiner Kirche. Die Schriftlesungen der Gottesdienste sind vor allem dem Johannesevangelium und der Apostelgeschichte entnommen.

Die ersten acht Tage der Osterzeit (Osteroktav) werden mit höchs¬ter Festlichkeit begangen. Während dieser Woche – bis zum II. Ostersonntag - trugen die Neugetauften beim Gottesdienst weiße Taufgewänder (Alben), daher auch der Name „Weißer Sonntag“. Die weiße Festfarbe prägt auch die Gottesdienste anlässlich einer Beerdigung.

Am vierzigsten Tag, dem Fest Christi Himmelfahrt, feiert die Kir¬che, dass Jesus zur Rechten des Vaters erhöht ist. Bitttage mit regional unterschiedlichen Bräuchen (z. B. Flur- und Bittprozessi¬onen) gehen diesem Tag voraus. Wir ziehen am Dienstagabend zu unserer Mutterpfarrei St. Nikola.

Die neun Tage (Novene vom lat. novem = neun) zwischen Christi Himmelfahrt und dem Pfingstfest sind eine besondere Gebetszeit um die Gaben des göttlichen Geistes (Pfingstnovene).

Am 50. Ostertag, am Pfingst-Tag feiert die Kirche die Sendung des Heiligen Geistes. Durch ihn wirkt der auferstandene und erhöhte Herr bis ans Ende der Zeit. Durch ihn sammelt er die Getauften — besonders am Sonn¬tag — zu Gottesdienst und Gebet, er sendet sie, seinen Dienst an der Welt weiterzuführen zur Ehre des Vaters. Die liturgische Farbe der Osterzeit ist als Ausdruck der Festesfreude weiß. Am Pfingstfest ist sie rot — Zeichen für das Feuer des Geistes. (vgl. GL 317)