Eine kurze Geschichte

Der Neubau der Pfarrkirche St. Wolfgang findet auch in den Pfarrnachrichten seinen Niederschlag. Pfarrer Otto Schweiger schrieb in den Jahren 1954 bis 1958 dazu:

Titelbild des Pfarrbriefes um 1955

Nr. 149 - 25. 4. 1954

Wir haben einen Kirchenbauplatz!

Der große sogenannte Sportplatz vor der Wolfgangskirche und der Platz auf dem die jetzige Notkirche steht, wurden im April vor dem Notariat von der Stadt Landshut käuflich erworben. Kaufsumme beträgt rund 30.000 DM und wurde von der bischöflichen Behörde in Regensburg aus Mitteln der Kirchensteuer der Kirchenstiftung St. Wolfgang Verfügung gestellt. Die ganze Pfarrei St. Wolfgang freut sich, daß nun der erste Schritt zum Kirchenneubau gemacht ist; sie dankt Seiner Exzellenz, dem Hochwürdigsten Herrn Erzbischof Dr. Michael Buchberger und seinem Finanzdirektor, dem Hochw. Herrn Prälaten Hörmann für die obengenannte Summe und bittet um die finanzielle Ermöglichung, daß im kommenden Jahr die längst plante neue Wolfgangskirche erstehen kann und andererseits aus der bisherig Notkirche die so bitter notwendigen Räume für die Jugendarbeit und andere außerkirchliche Veranstaltungen gewonnen werden können. Ein Kirchenbauverein St Wolfgang wird im Monat Mai noch ins Leben gerufen werden.

Nr. 150 - 9. 5. 1954

Der Kirchenbauverein St. Wolfgang wird ins Leben gerufen.

Wenn der Wolfgangspfarrer mit der Bitte um einen monatlichen Beitrag (je nach den Vermögensverhältnissen) an den Herzen aller Pfarrkinder anklopft, dann sagt bitte kein Nein. Alle müssen zusammenhelfen, soll das große Bauvorhaben gelingen. Daß die Pfarrseelsorger nicht persönlich alle Monat von Haus zu Haus gehen können, um die Beiträge einzusammeln, ist selbstverständlich. Wir bitten darum um Meldung für die einzelnen Straßen bezw. Hausblöcke. Gott Vergelt's!

Nr. 156 - 25. 7. 1954

Die ersten Monatsbeiträge zum Wolfganger Kirchenbauverein sind eingelaufen. –

Wenn auch die ewigen Meckerer und Kritikaster nie aussterben, wenn auch manche Taufscheinkatholiken für ihre Kirche nie etwas übrig haben (NB: nicht die Rentner und Schwachsituierten sind gemeint!), so wurde doch sehr viel guter Wille und Opferbereitschaft und Verständnis gezeigt. Dafür sagt der Pfarrer ein herzliches Gott vergelts! Besonders auch Herrn Kooperator Westenthanner gebührt Dank für die vielen Tag- und Nachtstunden, die er geopfert hat als vorläufiger „Schriftführer und Kassier" des Kirchenbauvereins. Wenn alles angelaufen ist, wird aus den Reihen der Mitglieder eine Vorstandschaft bei einer eigenen Versammlung gewählt. Wir stehen ja erst am Anfang. Aber der Neubau einer Kirche ist des Schweißes der Edlen wert. Hilf mit!

Nr. 162 - 31.10.1954

25 Jahre St. Wolfgangskirche

Am 3. November 1929 wurde unsere Kirche von Seiner Exzellenz, Erzbischof Dr. Michael Buchberger benediziert d. h. sie erhielt die kirchliche Weihe in der einfachen Form. (zum Unterschied von der Kirchenkonsekration bei Steinbauten). Es trifft sich heuer sehr schön, daß dieser 25. Jahrtag ausgerechnet mit dem Fest des hl. Bischofs Wolfgang zusammenfällt, das wegen des Christkönigfestes vom 31. Oktober auf 3. November verlegt wird. Die äußere Patroziniumsfeier halten wir mit dem silbernen Jubiläum zusammen am darauffolgenden Sonntag, den 7. November. An diesem Tag wird der erste Seelsorger von St. Wolfgang, Herr Max Bronold um ½ 9 Uhr .die Festpredigt und anschließend den levitierten Festgottesdienst halten. Vor 25 Jahren ist er nach 11-jähriger Seelsorgstätigkeit als Kooperator bei St. Nikola in die Siedlung gekommen und zwar zog er als Expositus von St. Wolfgang in den Bürgerblock ein (der Pfarrhof St. Wolfgang wurde ja erst später gebaut!). Seit 1935 wirkt Herr Geistlicher Rat Bronold als Stadtpfarrer und Dekan in Abensberg. Wir freuen uns über seinen Besuch und danken ihm für seine Zusage zur Festesfeier. Der Kirchenchor St. Wolfgang wird die Krönungsmesse von Mozart zur Aufführung bringen und im Händel Alleluja die Freude und den Dank an den großen Gott zum Ausdruck bringen für die vergangenen 25 Jahre der Gnaden, welche von diesem Gotteshaus aus in die inzwischen auf 4500 Katholiken angewachsene junge Pfarrei ausgeflossen sind. Unter den Mitgliedern des Kirchenchores selbst sind Leute, die das „Silberne" mit der Kirche mitfeiern können. Wir danken ihnen ihre Treue- und alle Opfer, die sie zur Ehre Gottes und aus Liebe zur musica sacra 25 Jahre lang auf sich genommen haben. Mit unserem Dankgebet am 7. November verbinden wir das Bittgebet, daß uns recht bald vergönnt sein möge, in einer neuen schönen und würdigen Wolfgangskirche Kirchweihfest und Gottesdienst zu feiern.

Nr. 163 - 14. 11. 1954

Das 25 jährige Bestehen der Wolfgangskirche verbunden mit dem Pfarrpatrozinium wurde würdig und festlich gefeiert. Pfarrgeistlichkeit, Kirchenchor und Orchester,. Mesner und Gärtner, Jugend und Ministranten taten ihr Möglichstes. Dazu die vielen Männer und Frauen, welche um 1/2 9 Uhr die Kirche füllten! Eine Freude für den Festprediger und Celebrans, Herrn Geistl. Rat Bronold!

Und nicht zu vergessen die stattliche Zahl von Männern, welche an diesem Tag zur hl. Kommunion ging. Sehr eindrucksvoll war auch der eigene Kindergottesdienst am Namenstag der Wolfgangskirche und der Wolfgangsschule. Alle Schulklassen unter-brachen den Unterricht und marschierten geschlossen in langen Reihen mit ihren Lehr-kräften zur Kirche. Die Kirchenstühle reichten wieder einmal nicht aus für die vielen Kinder; umso sehnsüchtiger schauten die Kinderaugen zum Bilde des hl. Wolfgang, des Kirchenpatrons, und umso lauter sangen sie: O hl. Wolfgang, bitt für uns!

Nr. 176 - 22. 5. 1955

Und wie steht es mit dem Kirchenneubau?

Es wird bestimmt alles getan, um den Beginn nicht hinaus zu zögern. Aber momentan liegen die Pläne noch bei der obersten Baubehörde in München. Erst wenn sie über das Kultusministerium, die Regierung in Regensburg und das Stadtbauamt Landshut wieder zurück sind, kann die Kirchenverwaltung in Verbindung mit der bischöflichen Behörde und dem Herrn Architekt Haindl das Weitere veranlassen.

Nr. 182 - 28. 8. 1955

Nun geht's endlich los!

So dachten die Kirchenbesucher am vergangenen Dienstag früh, als sie die Bauarbeiter am Kirchplatz sich zu schaffen machen sahen. Leider wird nach diesem ersten Spatenstich noch ein Monat vergehen, bis es endgültig los geht. Es wurden nämlich nur Bohrungen und Bodenuntersuchungen gemacht für die Statiker, welche die Beschaffenheit und Stärke der Fundamente zu berechnen haben. Aber sowohl Herr Finanzdirektor Hörmann als Herr Architekt Haindl haben für September der Baubeginn der neuen Wolfgangskirche in Aussicht gestellt.

Nr. 186 - 2. 10. 1955

Und wann beginnt der Kirchenbau?

Wenn nicht unvorhergesehene Schwierigkeiten auftauchen, wird in den nächsten Tagen mit dem Erdaushub begonnen. Am letzten Mittwoch ist für die eingeladenen Baufirmen der Termin zur Einreichung ihrer Kostenvoranschläge abgelaufen. Die Kirchenverwaltung kann nun endlich im Benehmen mit der bisch. Finanzstelle in Regensburg und Herrn Architekt Haindl in München die Baufirma benennen und beauftragen, Gott segne unseren Anfang!

Nr. 187 - 9. 10. 1955

Der 1. Spatenstich

zum Baubeginn unserer neuen Wolfgangskirche erfolgt am Montag, den 10. Oktober früh 8 Uhr im Anschluß an den Gottesdienst um 7 1/4. Wer Zeit hat möge daran teilnehmen. Offizielle Einladungen, ergehen nicht. Die Grundsteinlegungsfeier ist erst nach Fertigstellung der Fundamente. Baufirma wurde laut Kirchenverwaltungsbeschluß das Bauunternehmen Hans, Maier GmbH. Landshut (Seligenthalerstraße 22) bestimmt, welches unter den 6 eingeladenen Firmen das günstigste Angebot gemacht hatte.

Nr. 188 - 23. 10. 1955

Der erste Spatenstich am 10. Oktober 1955 gestaltete sich zu einer schönen Pfarrfamilienfeier. Da die Tagespresse bereits ausführlich darüber berichtet hat, sei an dieser Stelle nur die Vorgeschichte zum Kirchenbau erwähnt: Am vorletzten Tag des Jahres 1954 erhielt der Plan der neuen Wolfgangskirche, den Herr Architekt Haindl, München, gemacht hatte, das Imprimatur des Herrn Erzbischofes in Regensburg. Sodann wanderte er über das Stadtbauamt zur Regierung und von der Regierung zur obersten Baubehörde und zum Kultusministerium in München und dann den gleichen Weg München-Regensburg-Landshut wieder zurück. Daraufhin wurden die Pläne genauer ausgearbeitet und es begann die mühsame Arbeit der Statiker. Schließlich kam zur statischen Berechnung die finanzielle Berechnung und damit der Finanzierungsplan für die neue Wolfgangskirche. Herr Finanzdirektor Prälat Hörmann versprach ein ganz ansehnliche Summe von Zuschüssen aus Mitteln der Kirchensteuer. Freilich eine große Summe bleibt der Ortskirchengemeinde und darum wird auch da Bitten und Betteln auf Jahre hinaus nicht aufhören können. Der Kirchenbauverein bringt monatlich rund 1000.-- DM, was für unsere Verhältnisse in der Siedlung eine Leistung ist, die auch von höherer Stelle anerkannt wird. Wer noch nicht Mitglied ist (Neuzugezogene!), möge sich umgehend im Pfarrhof anmelden! Als die Leistungsverzeichnisse für die Angebote der Baufirmen, fertig gestellt waren, hat die Kirchenverwaltung 6 Firmen eingeladen. Das günstigste Angebot machte das Bauunternehmen Hans Maier und erhielt somit den Auftrag. Wie weit wir heuer noch kommen, hängt zum großen Teil von der Witterung ab. Wir wünschen und beten zu Gott, daß wir beim nächsten Kirchweihfest im Oktober 1956 auch Kirchweih St. Wolfgang feiern können.

Nr. 192 - 11. 12. 1955

Wird die neue Wolfgangskirche nicht zu klein gebaut?

Die Antwort ist folgende:

  1. Die Fachleute (Architekten und Bauleute) sagen: Es ist bei jedem Bau so, daß die Grundrisse und teilweise auch die Erstellung des Rohbaues den Eindruck erwecken, die Räume würden viel zu klein werden. Wer selbst ein Haus gebaut hat, wird das bestätigen können. Erst wenn Türen und Fenster angebracht sind, gewinnt das Auge den richtigen Eindruck.
  2. Beim Bau einer Kirche darf man nicht die Größe bezw nicht die Zahl der Plätze beim bestbesuchtesten Gottesdienst zugrunde legen, also nicht etwa bei der Christnachtmette - oder bei den Frühgottesdiensten am Ostersonntag, wo wegen der. Speisenweihe Leute zur Kirche kommen, die sonst fast nie zu sehen sind. Maßgebend ist vielmehr der normale Sonntagsgottesdienstbesuch Am letzten Zählsonntag wurden beispielsweise 1884 Personen in 5 Sonntagsmessen gezählt, so daß die Besucherzahl im Durchschnitt nicht einmal 400 Leute beträgt. Die neue Kirche aber faßt mindestens 500 Sitzplätze dazu kommen noch viele Stehplätze. Lieber zeigt sich die Kirche bei größeren Veranstaltungen ganz voll gefüllt, als umgekehrt: gähnende Leere klafft an den gewöhnlichen Sonntagen zwischen dem Priester am Altar und den wenigen Kirchbesuchern irgendwo hinten in der Nähe des Kircheneingang.
  3. Überdies bestanden von vorneherein für Bauherrn und Architekten oberhirtliche Weisungen in Bezug auf Höhe und Größe der Kirche und Einfachheit der Ausführung. Die Einnahmen aus der Kirchensteuer sind nämlich, in den letzten Jahren immer mehr zurückgegangen und darum mußten auch die Zuschüsse für Kirchenbauten von Seite der Bischöflichen Finanzkammer beschränkt werden.

Umso dankbarer ist die Kirchenverwaltung St. Wolfgang für die bereits gewährten Zuschüsse und umso dringlicher bittet sie alle Pfarrangehörigen und Freunde und Gönner um wohlwollende Unterstützung. Bleibt treu dem Kirchenbauverein! Werbet neue Mitglieder besonders aus den Reihen der Neuzugezogenen! — Falsch, aber grundfalsch ist die Auffassung, die da und dort am Wirtshaustisch vertreten wird: „Die Kirche hat doch Geld!" „Warum baut man nicht noch diese und jene Wohnung in das geplante Sakristei- und Priesterhaus ein?"` „Warum baut man die Kirche nicht größer?“ usw.

Nr. 204 - 27. 5. 1956

Die Grundsteinlegung zur neuen St. Wolfgangskirche am Pfingstmontag ist als Markstein in die Geschichte der jungen Pfarrei eingegangen. Der Himmel machte nach dem strömenden Regen am Pfingstsamstag und dem zweifelhaften Wetter am Pfingstsonntag ein sehr heiteres Gesicht. Das Blau des Firmamentes bildete ja in diesem Falle den Baldachin über dem Altar und ersetzte das Deckengewölbe über der neuen Kirche. So lag denn hellster Sonnenschein auf allen Gesichtern der Kirchenbesucher und Festgäste. „Exultate“ und „Jubilate“ sang, der Kirchenchor, „Ach wie wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein" klang es aus den Reihen des Kinderchores und "Großer Gott wir loben Dich" war der Schlußakkord des ganzen Volkes, als Herr Prälat Baldauf, der Generalvikar unserer Regensburger Diözese feierlich in der langen Reihe von Wimpeln, Bannern und Ministranten inmitten der Geistlichkeit auszog. — Einen ausführlichen Bericht über den Verlauf der Feier brachten am Dienstag die beiden Tageszeitungen. Außerdem wurde alles festgehalten in Ton und Bild.: Die Fotografen waren eifrig am Werke und so wird dieser Pfingstmontag 1956 nicht nur in der eingemauerten Urkunde des Grundsteines späteren Generationen als denkwürdiger Tag in St. Wolfgang überliefert werden, sondern auch durch Tonband und Lichtbild und Farbdias, noch mehr aber in den Herzen der Teilnehmer in guter Erinnerung bleiben.

Urkunde zur Grundsteinlegung der Pfarrkirche

Nr. 209 - 2. 9. 1956

Das Richtfest, Fest der Arbeiter, fand am 3. August statt, wie die Tagespresse ausführlich berichtete. Der übliche Richtschmaus war im Gasthaus zur Eiche vorgesehen, musste aber wegen des dortigen Saalumbaus in den Peterhof verlegt werden. Wir danken Gott, daß bisher all die schweren Arbeiten auf der Baustelle ohne Unfall abgegangen sind.

Nr. 212 - 14. 10. 1956

Das neue 10 Zentner schwere Turmkreuz ist am 5. Oktober feierlich geweiht und nach mühsamer und gefährlicher Arbeit am neuen Kirchturm St. Wolfgang aufgesetzt worden. Es wirkt ungeheuer schön und macht Herrn Architekt Haindl, der es entworfen, und Herrn Schlossermeister Hyronimus, der es angefertigt hat, sowie Herrn Malermeister Furtmair, der die Kugeln vergoldet hat, alle Ehre.

Nr. 214 - 4. 11. 1956

Vom Kirchenbau: Der große Kran, der jeden Stein und jedes Baustück mit seinem langen eisernen Arm zu seinem Platz empor getragen, hat nun Abschied genommen von der Wolfgangskirche und dem weit über seine Kranhöhe hinausgewachsenen Kirchturm. Seine Schienen sind beseitigt, so daß nun der Anbau der Kriegergedächtniskapelle auf der Südseite der Kirche als letzter Bauabschnitt gemacht werden kann. In diesen Wochen wurden bzw. werden auch die schönen neuen Kirchenfenster eingesetzt. Somit geht der Kirchenbau wenigstens nach außen hin dem Ende entgegen. Freilich, ist noch ein langer Weg, bis das Kircheninnere bezugsfähig ist.

Nr. 216 - 2. 12. 1956

Über dem Hauptportal der neuen Wolfgangskirche wurden die Symbole der vier Evangelisten angebracht. Herr Bildhauer Karl Reidel, Landshut, hat sie geschaffen. Für die Verteilung der Symbole ist die Eigenart der Evangelien maßgebend, die schon deren Eingang verrät. 1. So zeichnet der hl. Matthäus vor allem die menschliche Seite des Lebens Jesu und beginnt darum mit seiner menschlichen Abstammung. Er erhielt demzufolge den Menschen zum Sinnbild. 2. Der hl. Markus schildert den Gottessohn auf Grund seiner Wundertaten als denjenigen, der da Macht hat. Am Eingang seiner Schrift erhebt „der Rufende in der Wüste" (der Löwe) seine Stimme. Sein Symbol ward darum der Löwe, das Bild der Kraft und Stärke. 3. Der dritte Evangelist enthüllt allen anderen voran das Geheimnis der welterlösenden Opferliebe Jesu, die sich im Opfertod auf dem Kreuzesaltar erschöpfte und eröffnet seine Darstellung mit dem Opfer des Zacharias. Sein Sinnbild ist darum das Opfertier (Stier). 4. Der letzte Evangelist nimmt schon im 1. Vers seiner Schrift, dem Adler gleich den Hochflug über alles Zeitliche und Irdische hinaus. Sein Scharfblick ruht bis zur letzten Zeile auf der Wahrheit von der ewigen Gottheit Christi. Sein Symbol ist der Adler.

Nr. 218 - 30. 12. 1956

Zur Jahresschlußfeier wollen wir heuer erstmals in unsere neue Wolfgangskirche gehen, um Gott besonders zu danken für das im Jahre 1956 erstandene schöne neue Gotteshaus. Selbstverständlich ist das Innere der Kirche noch lange nicht fertig. Auch der Altar ist nur provisorisch aufgestellt. Die 50 vorhandenen Stühle der Unterkirche wollen den Gehbehinderten und älteren Leuten überlassen werden! Das Programm ist folgendes: Jauchzet dem Herrn" von Thiel (Kirchenchor), Jahresschlusspredigt - Wir beten an (Volksgesang) - Gebete Seite 203 - Prozession mit dem Allerheiligsten (Gesänge des Kirchenchors) Te Deum (Lob Gottes 208) Segen (Tantum ergo - Chor) - Segne Du Maria (Volksgesang S. 417).

Nr. 221 - 10. 2. 1957

Wie steht es mit den Glocken in St. Wolfgang?

Wir haben einen stattlichen Kirchturm, der immer wieder bewundert wird, der aber, seinen Beruf verfehlt hat, wenn nicht Kirchenglocken ihren ehernen Mund ertönen lassen. Ehrlich gesagt, wir freuen uns doch alle auf ein schönes Geläutet. Wir können nicht ein paar Glöckchen auf den mächtigen Turm hängen, wie dies bei dem Dachreiter der bisherigen Notkirche der Fall war. Wir können uns aber auch kein schweres Geläute leisten, weil wir es nicht bezahlen können. Die Kosten für die Glocken müssen wir nämlich unbedingt selbst aufbringen; wir bekommen dazu keine Zuschüsse. Die Kirchenverwaltung hat sich entschlossen ein schönes mittleres Geläute von der hiesigen Glockengießerei Hahn zu beschaffen, das aber trotzdem mit allem, was drum und dran ist, auf rund 25000 DM kommt. Soll nun diese Anschaffung bald (Ostern?) gemacht werden, dann müssen wir alle in unserer Wolfganger Pfarrfamilie mithelfen die Geldmittel hierfür aufzubringen. Die Bitte des Pfarrers geht darum dahin:

  1. Spenden zu geben soweit dies nach den Vermögensverhältnissen möglich ist. Wer sie nicht persönlich oder bei der Kirchenkollekte abgeben will, kann jederzeit Spenden überweisen auf das Konto „Kirchenbau St. Wolfgang Landshut“ Stadtsparkasse Konto 1237 o d e r Postscheckkonto Nürnberg Nr. 104360.
  2. Zu werben bei Bekannten, Geschäftsfreunden und Verwandten, die Giod9enspenden machen könnten.
  3. Darlehen der Kirchenverwaltung zur Verfügung zu stellen. Es haben doch viele Pfarrangehörige ein Scherflein zusammengespart für die Zeit des Alters oder auch für den Sterbefall. Diese Gelder bräuchten der Kirche nicht etwa geschenkt, sondern nur als Darlehen zur Verfügung gestellt werden. Die Kirchenverwaltung St. Wolfgang verpflichtet sich in diesem Falle, den gleichen Zins zu zahlen wie sie die Geldinstitute geben, ferner das Geld, jederzeit zurückzuzahlen, sobald es gebraucht bezw. gekündigt wird. Es geht also der betreffende Gläubiger kein Risiko und kein Verlustgeschäft ein (außer es kämen unvorhergesehene Ereignisse wie Geldentwertung). Andrerseits aber wäre der Kirche durch solche Darlehen geholfen, weil sie nicht den hohen Zinsfuß zahlen mühte wie das bei Geldaufnahme von Bankinstituten der Fall ist. — Also bitte überlegen und nicht Gelder zuhause liegen lassen! Helfen wir alle zusammen, daß unser Kirchturm nicht länger mehr stumm bleiben muß. Und wer noch nicht Mitglied des Kirchenbauvereins ist, der möge es werden!

Nr. 222 - 24. 2. 1957

Die Mission ist nahe!

Am Donnerstag, den 7. März beginnt sie für die Kinder und am Samstag, den 9. März abends 6 Uhr wird sie feierlich eröffnet für die Erwachsenen aller Landshuter Pfarreien in der St. Martinskirche. Die Wolfganger ziehen in großer Prozession von der bisherigen Notkirche (5 Uhr Aufstellung!) mit Banner und Fahnen nach St. Martin. Voraussichtlich wird Eminenz Kardinal Wendel die Landshuter Volksmission eröffnen.

Am 1. Fastensonntag (10. März) sind die Vormittagsgottesdienste noch in unserer alten Wolfgangskirche. Nachmittags um ½ 4 Uhr wird unsere neue Kirche feierlich benediziert und anschließend ist dort die erste hl. Messe mit Missionspredigt. — Die Kirche wird bis dahin soweit eingerichtet sein, daß die Mission dort gehalten werden kann. Die neuen drei Beichtstühle sind bereits aufgestellt; die Kirchenstühle kommen in dieser Woche Selbstverständlich ist das Innere der Kirche noch lange nicht fertig. Wann unser Hochwürdigster Herr Erzbischof von Regensburg kommt, um die neue Kirche zu konsekrieren, wissen wir noch nicht. Wahrscheinlich erst im Sommer.

Nr. 250 - 26. 5. 1957

Die ganze Pfarrfamilie ist herzlich eingeladen zur Weihe der, neuen Wolfganger Kirchenglocken heute Sonntag, den 26. Mai, 19 Uhr.

Die neuen Glocken wurden am 14. Mai in der Glockengießerei Johann Hahn in Landshut gegossen. Herr Otto Roider, als Hochzeitskutscher bestens bekannt, wird sie auf dem von der Pfarrjugend geschmückten Wagen am Sonntag Abend zum Hauptportal der neuen Kirche bringen. Wir versammeln uns nach der Abendmesse auf dem Platz vor der Kirche, wo der feierliche Weiheakt stattfindet. Der Wolfgangspfarrer wird ihn mit oberhirtlicher Vollmacht vornehmen und der Wolfganger Kirchenchor gesanglich. Umrahmen. Nach der Glockenweihe ist in der Kirche eine kurze Maiandacht mit dem sakramentalen Segen. Durch die Lautsprecheranlage kann die Glockenweihe auch im Inneren der Kirche (etwa bei schlechter Witterung) mitgehört werden.

Die erste Glocke mit dem Ton e' wiegt 950. kg und trägt das Bild der Patrone Bavariae und die Aufschrift: „Hl. Maria, Du Schutzfrau Bayerns, segne unsere Heimat!"

Die zweite Glocke mit dem Ton fis' wiegt 620 kg und trägt das Bild des HI. Josef mit der Aufschrift: „Hl. Josef, beschütze unsere Arbeitersiedlung und unsere Familien!"

Die dritte Glocke mit dem Ton a' wiegt 350 kg und trägt das Bild des Hl. Bruders Konrad mit der Aufschrift: „Hl. Bruder Konrad, unser niederbayerischer Landsmann, bitte für uns!"

Die vierte Glocke mit dem Ton h' wiegt 250 kg und trägt das Bild des HI. Christophorus mit der Aufschrift: „Christophorus, gib uns gute Fahrt und gute Überfahrt!"

Zu diesen 4 neuen Glocken kommen die beiden kleinen Geschwister aus dem Türmchen der bisherigen Notkirche:

Als fünfte Glocke mit dem Ton cis' die 175 kg schweres Wolfgangsglocke.

Als sechste Glocke mit dem Ton e' die 100 kg schwere Martinsglocke, die den Gefallenen und Gefangenen gewidmet wurde.

Das ganze Geläute ergibt das Gloria-Motiv

Ab 1. Juni kommen die Monteure der Firma Harz in Ulm, welche die 6 elektrischen Läutemaschinen und den Schaltapparat für das Angelusläuten montieren.

Nr. 231 - 9. 6. 1957

Herr Professor und Domkapellmeister Prälat Dr. Theobald Schrems von Regensburg hat am 4. Juni die neuen Kirchenglocken geprüft und festgestellt, dass sie genau stimmen.

Die Turmuhr ist bei der Firma Rauscher in Regensburg, Steinweg bereits angefertigt und wird in den nächsten Wochen aufgestellt.

Nr. 232 - 23. Juni 1957

Wo ist mein Platz in der neuen Kirche?

Der Pfarrer möchte grundsätzlich jedem Kirchenbesucher die persönliche Freiheit lassen, wo er seinen Platz in der neuen Kirche einnehmen will. Aber ohne Ordnung geht es nirgends, auch nicht in der Kirche! Und weil der Pfarrer auch dafür Verantwortung trägt und weil wir alle das größte Interesse an einem schönen und ungestörten Gottesdienst haben, seien folgende Richtlinien bekannt gegeben:

  1. Wenn eine Familie miteinander zum Gottesdienst kommt, sollen die einzelnen Familienmitglieder auch in der Kirche möglichst im gleichen Stuhl beisammen bleiben! Auch Schulkinder sind zwischen Vater und Mutter am besten aufgehoben!
  2. Soweit sich der gemeinsame Gottesdienstbesuch nicht durchführen läßt und Mann und Frau getrennt zur Kirche kommen, wollen die Männer die Männerseite (rechte Seite) einnehmen und die Frauen, solange die Stühle der linken Seite noch nicht besetzt sind, auf die Frauenseite gehen! Anders liegt der Fall, wenn links kein Platz mehr frei ist und rechts noch Bänke leer stehen.
  3. Es macht böses Blut, wenn Kirchenbesucher konstant die Eckplätze einer Bank besetzt halten und nicht nachrücken, so daß alle anderen drübersteigen müssen. Man sollte es überhaupt vermeiden, die Kniebänke mit den Straßenschuhen zu besteigen. Unsere neuen Bänke aus Eschenholz sind schön und hell, aber für Schmutz sehr empfindlich. Bitte auch die Kinder in diesem Sinne erinnern und ihnen mit gutem Beispiele vorangehen!
  4. Für die Amputierten und Kriegsversehrten sind die letzten Kirchenstühle auf beiden Seiten eigens breiter gemacht worden. Sie haben das erste Anrecht auf diese Plätze.
  5. Wer zur hl. Kommunion durch den Mittelgang vorgeht und am Seitengang zurück kommt, ist sehr dankbar, wenn er nicht über alle anderen in der Bank drübersteigen muß. Es wird darum geraten, im Stuhl nachzurücken, damit der Zurückkommende gleich an der Seite Platz nehmen kann.
  6. Die größte Bitte des Pfarrers ist die: Nicht hinten stehen bleiben, sondern möglichst nach Vorne gehen! Die Erwachsenen mögen es auch nicht dulden, daß Kinder und Halbwüchsige sich hinter den Großen verstecken.
  7. Der Zugang zur Empore ist abgesperrt. Nur wirklich am Kirchenchor bzw. Orchester Mitwirkende haben Zutritt. Wir haben ja jetzt im Schiff der neuen Kirche genügend Plätze. Freilich darf man nicht zu spät kommen!
  8. Es wäre gegen jeden Anstand und gegen jedes Feingefühl, würde man grundsätzich und regelmäßig dem lieben Gott 5, 10 oder 15 Minuten am Beginn oder am Schluß des Gottesdienstes abziehen. Jeder Mensch kann einmal verschlafen oder sonst aus irgend einem gerechten Grund zu spät kommen oder eher fort müssen. Jedoch muß das die Ausnahme bleiben! Die Regel darf es niemals sein! Schnell noch während der Predigt sich hinten herein schmuggeln, um bei der hl. Kommunion wieder zu verschwinden, ist eine Beleidigung Gottes und ein Verstoß gegen die Gemeinschaft, zeigt von wenig Ehrfurcht vor Gott und wenig Sinn für das Pfarrfamilienleben.

Neue Kirche — neue Glocken — neue Uhr — neue Vorsätze!

Alles zur größeren Ehre Gottes!

Nr. 238 - 13. 10. 1957

Die Orgel der alten Wolfgangskirche wurde abgebrochen, gereinigt und in der neuen Kirche wieder aufgestellt von der bekannten Orgelbaufirma Weise in Plattling. Eine große, neue, moderne, zweiteilige Elektro-Orgel ist nach wie vor unser Plan und unser Wunsch, kann aber aus finanziellen Gründen jetzt nicht angeschafft werden. Wir sind froh und zufrieden, daß wir die alte Orgel haben.

Die Platzgestaltung auf der West- und Nordseite der Kirche wird sehr schön, kommt aber über 10.000 DM. Bitte helft mit die Schulden zu tilgen! Am Kirchweihsonntag wollen wir bei allen Gottesdiensten wieder eine größere Sammlung halten.

Nr. 240 - 3. 11. 1957

Wann bekam die alte Wolfgangskirche einen Außenverputz?

Antwort: Weil die Mauern nur aus Heraklitplatten bestehen und durch die Witterungseinflüsse bereits soweit beschädigt waren, daß ein neuer Außenverputz dringend notwendig wurde, um die Wände und damit die ganze Kirche vor dem Verfall zu retten.

Was geschieht mit der alten Wolfgangskirche?

Antwort: In den letzten Wochen arbeiteten Maurer und Zimmerleute, um unter und über der Empore Gruppenzimmer einzubauen. Damit erhalten die Wolfganger Kolpingsfamilie und CAJ endlich ihr längst ersehntes und notwendiges Heim. Für die Mädchenjugend werden die 2 ehemaligen Sakristeiräume zu Gruppenzimmer hergerichtet. Das Schiff der Kirche bleibt unverändert und wird zum „Wolfgangssaal“ für Lichtbildervorträge, Konzerte, Theater usw. verwendet. Voraussetzung dafür ist, dass der ehemalige Altarraum noch ein Podium und eine Bühne erhält. Aber das alles kostet Geld, wozu Jugend und Erwachsene noch allerlei Opfer bringen. müssen.

Wohin kommen die 3 Altarbilder der alten Kirche?

Antwort: Das Mutergottesbild hat bereits in der Kriegerkapelle der neuen Kirche einen würdigen Platz erhalten. Das andere Figel-Gemälde (Herz Jesu-Bild) kam in die Unterkirche, wo bisher der Bruder Konrad-Altar war. Letzterer steht nunmehr in der Fensternische zwischen den beiden Säulen. Und das große Wolfgangsbild vom ehemaligen Hochaltar bekommt seinen Platz an der Rückwand des Wolfgangsaales (ehemalige Empore).

Am Volkstrauertag, den 17. November, werden um 9 Uhr die neuen Gedenktafeln für unsere Gefallenen, Vermißten und Fliegeropfer enthüllt. Die hl. Messe wird dort in der Kriegerkapelle der neuen Wolfgangskirche für unsere Kriegsopfer dargebracht. Die Stadtmusikkapelle und der Wolfganger Kirchenchor werden der Feier ein würdiges Gepräge geben.

Nr. 245 - 2. 2. 1958

Die bisherige Notkirche St Wolfgang ist vom Hochwst. Herrn Erzbischof am 30. 12. 57 für den profanen Gebrauch freigegeben worden. Dadurch verliert sie laut Kanon 1170 ihre Weihe. Der Titel und die Rechte der bisherigen Notkirche sind auf die neugebaute Pfarrkirche St. Wolfgang bereits übertragen.

Nr. 248 - 16. 3. 1958

Immer wieder werden Klagen laut „Es zieht!" Das ist der Grund, warum wir die Kirchentüren auf der Westseite nach Beginn des Gottesdienstes abschließen. Bei einem gut besuchten Leichengottesdienst stand unlängst das Hauptportal hinten bis zur hl. Wandlung offen. Bis vor zum Hochaltar machte sich der kalte Windzug von Hinten her sehr unangenehm bemerkbar.

Es ist also wirklich im Interesse der Kirchenbesucher, wenn während des Gottesdienstes nur das Seitenportal geöffnet ist. Im Übrigen sei an unseren Jahresvorsatz erinnert:

  1. Pünktlich kommen!
  2. Nicht an der Kirchentüre stehen bleiben!

Nr. 250 - 13. 4. 1958

Die feierliche Konsekration unserer neuen St. Wolfgangskirche findet am Sonntag,. den 4. Mai statt. Unser Regensburger Oberhirte Hochwst.. Herr Erzbischof Dr. Michael Buchberger will sie selbst halten.

Der Wolfgangspfarrer bittet diesen einmaligen Festtag für die ganze Pfarrei St. Wolfgang unbedingt frei zu halten von anderen Veranstaltungen und Fahrten. Die ganze Pfarrei ist heute schon aufgerufen und eingeladen. Näheres über Beginn und Verlauf der kirchlichen Zeremonien folgt in den nächsten Pfarrnachrichten.

Nr. 251 - 27. 4. 1958

Die Konsekration unserer neuen Wolfgangskirche findet am 4. Mai nicht statt, weil unser Oberhirte an diesem Tag verhindert ist. Ein neuer Termin liegt noch nicht fest.

Nr. 255 - 29. 6. 1958

Unser neuer Pfarrsaal in der alten Kirche wird heute am Fest Peter und Paul nach dem Hochamt liturgische eingeweiht und heute abend 20 Uhr durch einen Pfarrfamilienabend eröffnet. Dazu ergeht herzliche Einladung an jung und alt.