Weihe der Kirche

Landshuter Zeitung vom 30. 7. 1962

«Wohlbegründet ist das Haus des Herrn»

Feierliche Konsekration der Stadtpfarrkirche St. Wolfgang durch den Regensburger Oberhirten, Se. Exz. Bischof Dr. Rudolf Graber

Bischof «Der 29. Juli 1962 wird für uns ein Tag freudiger Erinnerung bleiben", sagte Stadtpfarrer Otto Schweiger nach der die feierliche Konsekration der Wolfgangskirche beschließenden Kirchweihmesse und sprach damit seinen Pfarrkindern aus der Seele.
Wie der geistliche Vater der fast 9999 Seelen zählenden Pfarrei im nördlichen Wohn- und Siedlungsgebiet der Stadt, so war auch die Pfarrfamilie dem neuen Oberhirten der Diözese Regensburg, Sr. Exz Bischof Dr. Rudolf Graber, von ganzem Herzen dankbar, daß er schon so bald nach seiner Inthronisation nach Landshut kam, um das 1955 erbaute und bei der Volksmission 1956 benedizierte Gotteshaus zu weihen.

Bischof Am Vorabend der Kirchweihe nahm der bischöfliche Sekretär. Msgr. Alois Saller, auf dem im Fahnen- und Grünschmuck prangenden Wolfgangsplatz die Weihe des Gregorianischen , Wassers - Salz, Wasser, Asche und Wein - vor. Wie bereits bei dieser Vorbereitung der Kirchenkonsekration, beteiligten sich auch an der Lichterprozession Hunderte von Gläubigen. Vorbei an fahnengeschmückten und illuminierten Häusern bewegte sich ein schier unübersehbarer Zug betender Menschen durch das Zentrum des Pfarrsprengels zum alten Pfarrsaal. Nach dem hier abgehaltenen liturgischen Abendgebet lösten sich Ordensangehörige und Pfarrorganisationen die Nacht hindurch in der Wache vor dem Reliquienbehälter ab. Die Vigili dauerte von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens.

Ministrantenplan Um die achte Morgenstunde des Sonntags kündeten die Glocken von St. Wolfgang der Stadt und dem Umland die Einholung des hohen Konsekrators. Von Geistlichen und Ordensfrauen, ferner den Mitgliedern der Kirchenverwaltung St. Wolfgang, den Erstkommunikantinnen, Ministranten und der Banner- und Wimpel-Gruppe der Pfarrjugend geleitet, schritt Bischof Dr. Graber unter dem Tragbaldachin segnend zur Empore neben dem Hauptportal.
Drei weißgekleidete Mädchen der 1. Volksschulklasse, Margarete Hübner, Annemarie Maier und Ingrid Haas, begrüßten als erste den Bischof mit Versen, in denen die Freude über die Ankunft des Oberhirten und Bitte um den Segen für die Kirche schönen Ausdruck fanden.
Sodann sprach Oberbürgermeister Lang den Willkomm der Stadt, indem er an die Worte des Vorgängers von Bischof Dr. Graber erinnerte, «daß die Abtei Seligenthal eine Perle der Diözese Regensburg" ist. Auch auf den Bau der Piuskirche wies der Oberbürgermeister hin. Die Pfarrei St. Wolfgang ist aus kleinen Anfängen gewachsen; jeder sechste Landshuter Einwohner wohnt in der «Siedlung", wie der Sprengel noch heute im Volksmund ließt. Des Gotteshaus mit seinem hochragenden Turm ist ein Wahrzeichen dafür, daß der christliche Sinn in dieser Stadt noch lebendig ist. Oberbürgermeister Lang stellte sodann dem Bischof eine Anzahl von Ehrengästen, u. a. Kirchenrat Dekan Krauß von der Evang. Kirche, vor. Der dritte Willkommgruß kam aus dem Munde des Pfarrherrn. Die Ansprache von Stadtpfarrer Schweiger klang in die Bitte an den Bischof aus, die Weihezeremonien vorzunehmen.

Jede Weihehandlung, die Bischof Dr. Graber vollzog, wurde von Jugendpfarrer Msgr. Anton Maler, Regensburg, erläutert. Nach dem Umschreiten der Kirche, wobei der Bau mit Weihwasser besprengt wurde, klopfte der Bischof mit dem Stab, an das Portal. Nach dem Ruf «Apirite!» wurde das Portal geöffnet. Unter der dem Bischof in die Kirche folgenden Geistlichkeit sah man u. a.: Stiftspropst Keller, Domkapitular Lehner, der in schwerster Zeit Pfarrer von St. Wolfgang war, Prälat Panger vom Stift zur Alten Kapelle, Regensburg, Dekan Wagner, Eugenbach, Stadtpfarrer Steinhauser von St. Konrad, Kooperator Pöschl von St. Nikola, Caritasdirektor Höpfl und Dr. Fuchs, die dem Bischof assistierten; Ñ. Mauritius, vom Deutschherrenorden.
Die für die Ehrengäste reservierten Bankreihen waren u. a. besetzt von Staatssekretär Dr. Lippert ; Regierungsdirektor Haindl in Vertretung des Regierungspräsidenten; Oberbürgermeister Lang sowie den Bürgermeistern Dr. Schlittmeier und Weitl, ferner von den Stadträten Futterer Obgm. a. D. GaÉlmeier, Hofmeier, Dr. Moratscheck und Schneider, von Stadtdirektor Zech, Oberstaatsanwalt Dr. Weiß, den Schulräten Almer und Hartl, dem Rektor Gruber ,von der Wolfgangsschule, Stud.-Prof. Zankl von den Landw. Lehranstalten Schönbrunn, der Vorsitzenden des Kath. Frauenbundes, Ì. Rothemund, von Stadtbaurat Hochrein und Stadtbaumeister Leibrecht, Pol.-Inspektor Ellwanger, Reg-Baumeister Heindl, München, dem Architekten, sowie Bauunternehmer Bau-Ing. Hans Maier, dem Erbauer von St. Wolfgang, Baron í. Solemacherer in der Malteserrittertracht, des weiteren von Löschzugführer Moratscheck, Siedlerbundvorsitzenden Sichhart und VdK-Ortsverbandsvorsitzenden Kuißl, sämtliche von der St. Wolfgang-Siedlung.
Nach der Allerheiligen-Litanei, der Besprengung des Inneren der Kirche und der Beschriftung des auf dem Fußboden liegenden Aschenkreuzes mit dem lateinischen und griechischen Alphabet wurden die für die Einmauerung im Altar bestimmten Reliquien vom Pfarrsaal in die Kirche übergeführt. Während der Bischof, angetan mit gold-rotem Ornat mit Mitra, hierauf die Kapsel mit Reliquien der Heiligen Wolfgang, Aetherius, Fulgens, Jocundina und Énnocentia in die Vertiefung der Mensa legte, sang der Kirchenchor von St. Wolfgang unter Leitung von Stud.-Rat Schönfelder «Locus iste" von Bruckner. Die Einmauerung der Reliquien vollendete Polier Lindner von der Baufirma Hans Maier.

BischofNach der Verkündung des Zachäus-Evangeliums ging Bischof Dr. Graber in seiner Predigt von dem Wort im Alten Testament aus: Ich habe diesen Ort auserwählt und geheiligt, auf daß immer mein Name hier angerufen werde. Was würde aus uns werden« wenn es keine Stätte mehr gibt, wo man sich sammeln und besinnen kann? Was bleibt uns dann noch, wenn wir die Kirche, die letzte Zuflucht, als überflüssig erachten? Die Familie ist heute nur mehr in seltenen Fällen Stätte religiöser Geborgenheit. Selbst in der Natur ist durch Lärm und andere Einflüsse keine Zwiesprache mit Gott mehr möglich. Doch wir bedürfen der Stätte, wo wir Ruhe, Einkehr, Besinnung finden können. Auch der moderne Mensch weiß, daß er nicht allein vom Brot - Arbeit und Verdienst - leben kann. Auch er braucht eine Stätte, wo er sich Rechenschaft ablegen kann. Wenn es keine Stätte mehr gibt, wo Wahrheit verkündet wird, dann wird das Volk zügellos. Je weniger Kirchen, um so mehr Gefängnisse und Irrenhäuser gibt es.
In der Kirche ereignet sich täglich im hl. Meßopfer Geburt, Wirken, Leiden, Sterben und Auferstehung Christi. Unsere moderne Welt hat es fertiggebracht, den Raum zu überwinden. Aber was sie nicht kann, ist die Ueberwindung der Zeit. Das kann nur Gott in seinen Kirchen. Ist das nicht unendlich größer als alle diese Erfindungen, die uns beglücken?" In der Kirche ist das Paradies geöffnet, und kein Engel steht davor, uns den Eintritt zu verwehren. Vier Gnadenströme gehen hier aus: vom Taufstein, vom Beichtstuhl, von der Kanzel und dem Altar

Die Kirche soll aber nicht nur die Stätte vertikaler, sondern auch horizontaler Verbindung mit Christus sein.
Indes, das steinerne Gotteshaus ist vieles im religiösen Leben, aber nicht alles. Jede christliche Familie, betonte der Bischof, muß ein Gotteshaus sein, und in jedem christlichen Haus muß das ewige Licht der Liebe brennen. Die Weihezeremonien erinnern uns daran, daß der Christ auserwählt ist, ein lebendiger Tempel Gottes zu sein. Denn die Weihehandlungen, die die Kirche erfährt, erfährt auch der Christ: Besprengung, Salbung, Lichtopfer. «Auch wir sind ein Gotteshaus geworden, in der hl. Taufe schon; das Gotteshaus unserer eigenen Seele."
Möge, schloß der Bischof seine Predigt, auf der Pfarrkirche St. Wolfgang stets der Segen Gottes ruhten, auf daß niemals das Wort aus den Grüften bei der Zerstörung Jerusalems - «Laßt uns von dannen ziehen" - gesprochen werde, muß die Pfarrfamilie, um den Pfarrherrn geschart, fest zusammenstehen.

Bischof Ueberaus stark war der Andrang zum Tisch des Herrn, wo Bischof Dr. Graber. Stadtpfarrer Schweiger, der bei der Kirchweihmesse als Presbyter assistens fungierte, und Dr. Fuchs von Seligenthal die hl. Kommunion spendeten. Nach dem Pontifikalsegen des Bischofs und achtstimmigen Amen des Kirchenchors sprach Stadtpfarrer Schweiger dem Bischof ein herzliches Vergelt's Gott für die Weihe des Gotteshauses. Bevor Glocken- und Orgelklänge den Auszug des Bischofs begleiteten, sangen die Gläubigen das Te deum.

Die Stunde bis zum festlichen Mittagstisch im Saal der «Deutschen Eiche" füllte ein Standkonzert aus, das die Musikkapelle des Bischöfl. Knabenseminars Straubing unter der Stabführung von Präfekt Eduard Weiß vor einem großen Hörerkreis auf dem Wolfgangsplatz bot. Die Darbietungen dieser frisch und unbefangen musizierenden Gemeinschaft fanden starken Beifall.

Beim Mittagsmahl erfreute Ingrid Kästl den hohen Gast mit dem Braten-Gedicht von W. Busch.
Drei als «Prälaten" auftretende Ministranten - Hans Krusche. Josef Sichhart und Peter Weger - lösten mit ihrem (von Stadtpfarrer Schweiger gereimten) Bericht vom letzten «Freundschaftsbesuch" in Regensburg allgemeine Heiterkeit aus. (Für einwandfreien Vortrag der Gedichte bei Empfang und Mittagstisch trugen Frau Woerle und Seelsorghelferin Hummel Sorge.)

Im Laufe des Nachmittags besuchte der Bischof die in seinem Diözesanbereich liegenden Landshuter Pfarreien St. Nikola und St. Konrad, hier von Stadtpfarrer Steinhauser, Stadtrat Futterer und Kirchenverwaltungsmitglied Dir. Moosbauer, dort von Kooperator Pöschl sowie den Stadträten Leider, Schneider und Wutz begrüßt. Anschließend begab sich Bischof Dr. Graber nach Seligenthal. Am Spätnachmittag besichtigte er den Rohbau der künftigen Pfarrkirche St. Pius sowie St. Martin. Abends folgte der hohe kirchliche Würdenträger einer Einladung von Staatssekretär Dr. Lippert zum Abendessen.