Bericht des Ingenieurbüros Karl Neumaier Dipl. Ing. (FH)

Die Kirche St. Wolfgang wurde im Jahr 1956 erbaut.
Es handelt sich um einen Hauptbau mit den Abmessungen von ca. 18 m x 43 m, 16m hoch, ein angeschlossenes 2 geschoßiges Sakristeihaus 9 m x 14 m, sowie einen separat stehenden Glockenturm mit den Abmessungen von 5,35 m x 5,35 m und einer Höhe von 39 m.
Zwischen Turm und Kirchengebäude ist ein 6 m langer Verbindungsbau angeordnet.

Die Wände der Kirche und des Glockenturmes wurden in Ziegelbauweise als einschaliges Verblendmauerwerk erstellt.

Im Jahr 1987 wurden bereits Reparaturmaßnahmen durchgeführt, wobei schadhafte Ziegelbereiche am Turm ausgewechselt wurden.

Seit einigen Jahren sind wieder Schäden am Mauerwerk des Turms zu beobachten. Zur Sicherung der Passanten mußte im Eingangsbereich des Zwischenbaues ein Schutzdach erstellt werden.

Zur Feststellung des Schdensumfangs sowie zur Erarbeitung einer nachhaltigen Sanierungsmaßnahme werden nun Untersuchungen am Mauerwerk durchgeführt.

Die erste Schadensaufnahme zeigt folgendes Bild:

Turm

Außen sind verschieden starke Abplatzungen am Sichtmauerwerk zu erkennen. Die Südseite und die Ostseite sind nur in geringem Ausmaß betroffen, an der West- und Nordseite sind die Schäden jedoch gravierend.

Die Abplatzungen sind mit zunehmender Höhe häufiger festzustellen.
Es zeichnen sich Ziegel mit hellerer Färbung ab. Offensichtlich handelt es sich hierbei um die ausgewechselten Steine an der Reparaturmaßnahme 1987.

Deutlich erkennbar ist auch eine stärkere Durchfeuchtung im Bereich der Decke unter den Schallöffnungen. Hier kommt zur Schlagregenbeanspruchung von außen auch Feuchtigkeit vom Deckenbereich.

Die Betondecke ist zwar durch Kupferblech abgedichtet, die Dichtigkeit an den Anschlußstellen ist jedoch nicht mehr gewährleistet.

Die Räume im Turm, EG - 2. OG sind ausgebaut und werden genutzt.
Verschiedene Verfärbungen am Putz deuten auf frühere Nasstellen hin, die aus Wassereinbruch vom oberen Turmbereich stammen.

Ab dem 3.OG ist das Mauerwerk innen rauh verputzt.
Die Treppenanlage aus Holzkonstruktion ist an der Nord- und Westseite angebracht.

Die Decken über dem 2. OG und 6. OG sind aus Beton, die übrigen Zwischendecken bestehen aus Holzbalken mit Bohlenbelag.

Die Wände ab dem 3. OG sind bis zur Turmspitze nach oben hin zunehmend feucht.
Die Durchfeuchtung des Mauerwerks ist in der Süd- und Ostseite des Turmes jeweils schwächer, an der West- und Nordseite entsprechend stärker ausgeprägt.

Die Feuchte des Putzes und des Mauerwerks wurde mit einem Widerstandsmessgerät festgestellt, wobei dies nicht als exakte Messmethode gewertet werden kann.
Im 4. bis 6. OG wurden Werte bis ca. 10% Feuchtigkeit gemessen, in der Glockenstube an der Westseite bis ca. 15%.

Die Hölzer der Decken sind durch den Feuchteanfall z.T. vermorscht.

An den Wänden ist in einigen Bereichen Vermoosung und Pilzbefall festzustellen. Hauptsächlich Westseite und NW-Ecke.

An der Betondecke über 6. OG ist stellenweise unterseitig der Beton durch die korrodierten Bewehrungsstäbe abgeplatzt.

Oberseitig ist die Decke mit Kupferblech abgedeckt, der Zustand unter der Abdeckung wurde nicht festgestellt.
Es ist jedoch davon auszugehen, daß die Blechanschlüsse nicht mehr dicht sind. Es fehlt auch eine entsprechende Lüftungsmöglichkeit (Schwitzwasser).

In der Glockenstube ist das Mauerwerk an der Westseite und z.T. an der Nordseite so durchfeuchtet, daß der Putz großflächig abgeplatzt ist.

Besonders betroffen sind die Laibungen der Schallöffnungen hinter den Betonfertigteilen.

Das Mauerwerk an der Westseite der Glockenstube ist sehr stark geschädigt. Durch Frosteinwirkung auf die durchfeuchtete Wand werden z.T. die äußeren Schichten der Steine abgesprengt.

In der Fensterlaibung wurden die Ziegel z.T. schalenförmig aufgespalten.

Das Steingefüge ist in diesem Bereich durchgehend betroffen und somit ist die Festigkeit und die Stabilität der Wand-Westseite insgesamt beeinträchtigt.

An der Außenseite der Glockenstube ist in einigen Bereichen der Fugenmörtel ca. 5mm herausgedrückt.
Das bedeutet, daß Hohlräume zwischen Mauermörtel und Verfugungsmörtel vorhanden sind. In diesen Hohlräumen sammelt sich Wasser an und der Gefrierdruck drückt den Verfugungsmörtel nach außen.

An der Stahlkonstruktion des Glockenstuhls ist leichter Flugrost festzustellen.

Die Holzschwellen des Glockenstuhls sind feucht und mit Schwamm besetzt.

Schadensursache

Als Hauptursache der Schäden ist die Durchfeuchtung der Wände infolge mangelnden Schlagregenschutzes anzusehen.

Das Mauerwerk ist als einschaliges Verblendmauerwerk ausgebildet.
Im unteren Bereich ist es 61 cm stark, ab Höhe +12,30 m hat es eine Stärke von 49 cm.

Nach DIN 4108 Teil 3, Schlagregenschutz von Wänden, ist der Turm in die Beanspruchungsgruppe III einzuordnen.

Nach dieser Norm ist für Beanspruchungsgruppe III nur zweischaliges Verblendmauerwerk, mit oder ohne Luftschicht, gefordert.
Die Art der Ausführung ist dann nach DIN 1053 einzuhalten.

Das heißt, daß auch bei 2 Stein dickem Mauerwerk (49 cm) Schäden bei starker Beanspruchung durch Schlagregen auftreten können.
Diese Schäden können unabhängig von der Qualität der Steine auftreten.

Durch poriges Fugenmaterial, sowie durch Risse in der Verfugung kann Regenwasser infolge Winddruck über die Fugen in das Mauerwerk eindringen.

Beim vorhandenen Mauerwerk sind Risse bis ca. 1 mm in der Verfugung erkennbar.
Die Ziegel selbst weisen ebenfalls unregelmäßige Risse, sowie verschiedene kleinere Einschlüsse und oberflächliche Ausbrennstellen auf.

Für Verblendmauerwerk ist Vormauerziegel oder Klinker erforderlich.
Nach Augenschei ist der vorhandene Ziegel kaum in diese Gruppe einzustufen.

Die genaue Steingüte (Scherbenfestigkeit, Wasseraufnahmefähigkeit bzw. Frostsicherheit) kann nur labormäßig bestimmt werden. Ebenso die Qualität des Mörtels.

Den Unterlagen zufolge ist das Mauerwerk bei der Reparaturmaßnahme 1987 imprägniert worden.

Diese Hydrophobisierung wirkt sich unter Umständen auf die Frostsicherheit nachteilig aus.

Die glatte Steinfläche wird dadurch wohl wasserabweisender. In der rauhen Mörtelfuge ist diese Wirkung jedoch wesentlich geringer und Risse über 0,3 mm werden nicht überbrückt.

Das über die Fugenbereiche eindringende Wasser wird von den Flanken des Ziegels aufgenommen.
Infolge des verminderten Kapillartransportes an der Oberfläche kann es zu einer verlangsamten Dampfdiffusion kommen und somit zu einer Anlagerung des Wassers hinter der Oberflächenschicht.

Zwischenbau

Der Zwischenbau mit den Abmessungen von 3,70 m x 8,20 m verbindet Kirche und Turm. Laut statischem Positionsplan soll jeweils durchgehende Trennfuge an Kirche und Turm vorhanden sein.

Diese Fugen sind offensichtlich bei der Bauausführung nicht konsequent in allen Bauteilen durchgeführt worden,.
Sie verspringen zum Teil, oder sie sind überputzt worden.

Als Folge reißt der Putz bzw. der Beton unkontrolliert und bildet unansehnliche Abplatzungen. Hier sind die Fugen und Auflager nachzuarbeiten und gegebenenflls Deckenbereiche abzufangen.
Die Dehnfugen sind mit Fugenprofilen zu versehen.

Die Fenster sind aus Einfachverglasung und die Wände ohne ausreichende Wärmedämmung ausgebildet, so daß der gesamte Zwischenbau nicht frostfrei ist.

Bei verschiedenen Temperaturverhältnissen tritt an den Fenstern Schwitzwasser auf, das im Fußbodenbereich und im Estrich der Zwischendecken abläuft.
Im gegenüberliegenden Treppenauge ist der Wasseraustritt sichtbar.
Die Abdichtung an den Fenstern hat provisorischen Charakter.

Hier sind wärmedämmende Maßnahmen an Fenstern und Wänden angezeigt.

Im Eingangsbereich des Zwischenbaus haben sich die Stufen am Gebäudeanschluß gesetzt. Hier ist der Unterbau zu stabilisieren und die Treppe neu aufzusetzten.

Kirche

Am Kirchengebäude ist die westliche Giebelwand von Feuchteschäden betroffen.
Die zunehmende Feuchte ist im Bereich über der Rosette an der dunkleren Färbung zu erkennen.

Des weiteren zeigen sich Frostabplatzungen im oberen Bereich des südlichen Flügels.

Die Durchfeuchtung der Westwand zeichnet sich im Inneren der Kirche im oberen Bereich des Chorraumes durch dunklerer Verfärbungen ab.

Von den Diagonalstreben der Rosette ziehen sich Schmutzschlierern von ablaufendem Wasser nach unten.
Hier kann durch Abweiser aus Blech Abhilfe geschaffen werden.

Die Klempnerarbeiten an der Westseite im Ortgangbereich sind auf Dichtigkeit zu prüfen.

Zusammenfassung

Der Hauptschaden ist im Bereich des Turmes zu verzeichen.
Hier sind Sanierungsmaßnahmen zur Erhaltung des Bauwerks unbedingt erforderlich und sollten nicht aufgeschoben werden.

Eine Reparaturmaßnahme mit Auswechslung einzelner Steine wird nicht mehr ausreichend sein, da hierbei die unzureichende Substanz unverändert bleibt und Schäden zu erwarten sind.

Nach labormäßiger Untersuchung der Materialien und Anhörung von Fachstellen ist ein Sanierungskonzept zu erstellen, das die Funktion des Bauwerks nachhaltig sicherstellt.

Landshut, den 15.09.1999

Verfasser

Ingenieurbüro Karl Neumaier Dipl. Ing. (FH)
Piflaser Weg 10
84034 Landshut