Der Seewald Kreuzweg

Kapitel  15/ 15

Richard Seewald

Maler, Graphiker, Schriftsteller

Lebensdaten

geboren 4. 5. 1889 in Arnswalde / Pommern
Gestorben 29. 10. 1976 in München

Illustrationen zu eigenen Büchern, Bibelillustration, Wandgemälde, Glasfenster, Romane, Essays, Spiele, Erinnerungen

Werke in unserer unmittelbaren Nähe:

  1. In den Nordarkaden des Hofgarten in München:
    Graphische Zeichnungen von mediteranen Landschaften (1961)
  2. Herz Jesu Kirche in München, Neuhausen: Der Architekt Fr. Haindl erbaute sie aus der ehemaligen Kinohalle vom Obersalzberg. Darin: Glasfenster mit Szenen aus dem AT und NT (1968) Darin auch der erste Abdruck unseres Kreuzwegs (1952) Die Kirche ist 1994 abgebrannt bis auf zwei Glasfenster ist alles zerstört. Derzeit gibt es sehr beachtete Pläne für einen Neubau.
  3. Kreuzweg in unserer Kirche:
    14 Linolschnitte, 62,5 x 47,5 cm – 1952

    • Harter Kontrast: Schwarz/chamois
    • Härte der Konturen: Kantig und scharf geschnitten
    • Gegensätze in den Figuren: Gerade – gebogen, längs – rund.
    • Kontraste in der Kleidung, in der Kopfbedeckung
    • Kleider erinnern immer wieder an kirchliche Gewandung,
    • die Auseinandersetzung III. Reich / Kirche ist spürbar.
    • die Bilder XII – XIII weisen auf diese Schreckensherrschaft sehr deutlich hin!
    • Reduktion auf das Wesentliche.

Richard Seewald:
Über die Möglichkeit einer christlichen Kunst in unseren Tagen

"Sie erwüchse aus dem Zugeständnis aller Katholiken, daß jede Kirche, und sei sie eine Hütte im Walde, ein sakraler Raum ist, in dem das, was die Kirche durch Jahrhunderte im Credo als ihr Glaubensgut bekannt hat, von allen geglaubt wird. Sie bestände weiter in dem Wiederentdecken der Erkenntnis, daß die kreatürlichen Dinge gemäß dem hl. Thomas "wahr" sind, soweit sie Wesensbilder sind, die dem Geist Gottes innewohnen. Damit würden sie wieder in der Lage sein, sichtbar den Unsichtbaren dazustehen"
Die klassische Mitte, "von der Aristoteles sagt, sie sei das Vollkommene, da man von ihr weder etwas wegnehmen noch hinzufügen kann, ohne deren Vollkommenheit zu minderen, diese Mitte, so scheint mir, könnte im Bewußtsein der Menschen wieder auftauchen als das Rettende, nachdem sich überschlagende und überstürzende Extreme zu nichts anderem geführt haben als ins Nichts."
"Alle Bilder... wurden im Auftrag der Kirche und für die Kirche als liturgische 'Zeichen' gemacht. Ich habe kein privates religiöses Bild gemalt. Ich habe die Aufträge nicht gesucht, sie fielen mir zu. Ich griff nach ihnen im Augenblick als der Nationalsozialismus in der Kirche seinen einzigen ernstzunehmenden Gegner zu sehen begann. Ich sah meine christlichen Bilder gleichzeitig als Bekenntnisse und Proteste. " (Schade/Braun S. 8)

Seine Bibelillustration stößt auf heftigen Widerstand der deutschen Bischöfe – der Bischof von Chur jedoch war anderer Meinung. Er erteilt ihm 1941 den Auftrag, die große Chorwand für Maria Lourdes in Zürich zu gestalten, nach genau vorgegebenem und überwachtem theologischen Programm. Erst nach dem Krieg erhält Seewald Aufträge in Deutschland. In den 50–er und 60–er Jahren ist er ein hochverehrter Künstler.

«Der Maler begann im Zeichen des Expressionismus, setzt sich mit dem Surerealismus und der 'metaphysischen Malerei' auseinander und suchte das 'Palladium einer klassischen Form' in eine neue Welt zu tragen. In zahllosen Bildern und Zeichnungen, in 34 Bücher und zwanzig ausgestatteten Kirchen hat Seewald 'gegen die Zeit' unsere religiöse Welt mitgeprägt.»

Franz Henrich, in: Schade/Braun, S. 3

Herbert Schade, Hedda Braun (Hg):
Seewald, Richard – Kunst für die Kirche –

Ausstellung in der kath. Akademie in Bayern vom 23. 11. 1974 bis 31.1.1975 mit einem Vorwort von Franz Henrich

Anton Högner 1997/1