Fotografieren in der Kirche

Das Eigentliche läßt sich nicht im Bild einfangen

Fotografieren im Gottesdienst

Es ist soweit:
Die kleine Gruppe wird zum Taufbrunnen gebeten.
Ein junger Mann steht ebenfalls auf, hält sich etwas abseits von der Runde, die Videokamera im Anschlag, macht mit einem zusammengekniffenen Auge noch drei Schritte links, um den besten Blickwinkel zu bekommen. Das Kind wird getauft - und gefilmt. Gleichzeitig hat sich eine Dame mittleren Alters von der anderen Seite mit ihrem Fotoapparat in Position gebracht. Es blitzt mehrmals. Dann surrt es: der Film wird automatisch zurückgespult.
Störend? Oder ganz normal?

Ist der Gottesdienst eine "heilige Handlung", in der solche Sachen ausgeschlossen sind? Oder ist es womöglich gerade ein Zeichen für ein natürliches, unverkrampftes Verhältnis zum Glauben, wenn munter fotografiert und gefilmt wird?

Gegen Erinnerungsbilder ist sicher nicht das geringste einzuwenden. Illustrierte Vergangenheit kann die Gegenwart beleben und bereichern. Das Blättern in Omas Fotoalbum kann für die Kinder und Enkel spannend, lustig und interessant sein.
Doch eben diesem Wunsch nach bewahrter Erinnerung wird das Filmen und Fotografieren in Gottesdienst nicht gerecht.

Das "Eigentliche" entzieht sich nämlich dem lichtempfindlichen Material in Kamera und Camcorder. Im Gottesdienst wird von der entgegenkommenden Liebe Gottes gesprochen, die jedem Einzelnen gilt. Wer das ernst nimmt, für den ist Gottesdienst mehr als ein Ereignis, das sich abbilden läßt. Und wer nachher die Bilder oder Filme anschaut, wird vielleicht eher an der leuchtend roten Krawatte von Onkel Helmut hängenbleiben oder daran, daß Tante Marga gerade so ulkig blinzelt.
Außerdem: Wer es auf sich nimmt, im Gottesdienst mit Ojektiven, Kameragehäusen, Filmen und Kassetten zu hantieren, bringt sich selbst um die wirkliche Teilnahme am Geschehen.
Und wenn er dabei noch andere stört, etwa durch gar zu auffälliges Agieren, womöglich beim Gebet, lohnt sich der ganze Streß doch kaum.

Wer bedenkt: Wenn jeder der 64 Firmjugendlichen nur einen Fotografen hat - dann schnappt, surrt und blitzt es unablässig. Ähnliches läßt sich für die Feier der Erstkommunion sagen.

Sie verstehen, daß wir das Filmen, Fotografieren .... im Gottesdienst nicht gestatten können. Erfreulich, in St. Wolfgang zeigen sich die allermeisten der Angehörigen sehr einsichtig.

Pfarrer und Kaplan werden im Anschluß an den Gottesdienst gerne eine Aufnahme im Kirchenraum ermöglichen, am Taufbrunnen oder vor dem Altar und sich im Meßgewand dazu stellen.

Immer öfters tauchen Fotos bei Begräbnissen auf. Ob die Fotografen tatsächlich wissen, wie sehr sie Taktgrenzen überschreiten? Der Augenblick des Abschieds - da der Sarg in die Erde gesenkt wird - ist ganz sicher eine Grenze für jedes Foto. Es gibt Ereignisse, die nicht für die Kamera bestimmt sind!