S' Gweichte, Speisenweihe

"Wann ist denn die ‚Speisenweihe'?”
Wichtigste Frage vor den Feiertagen, das Telefon steht nicht still!

Es wird nichts geweiht! Weder Eier, noch Schinken, noch Biskuitlamm, noch ...

Wir bringen Speisen mit in die Kirche, (im Korb, in der Tasche, im Beutel ...)
Angesichts dieser Speisen preisen, loben, segnen wir den Schöpfer der Welt, der uns all dies guten Gaben gönnt!
"Gott, wir danken dir, du gibst uns Brot, läßt es wachsen für uns” – so dankte, lobte, segnete Jesus den Schöpfer, den Vater im Himmel. "Da wir mit diesen Speisen zu Hause ein festliches Mahl halten, lass uns Gemeinschaft erfahren untereinander, mit allen Christen und mit Dir!” beten wir weiter.
Die Osterspeisen haben einen inneren Bezug zum Pascha-Mahl, das Jesus mit seinen Jüngern feierte: Schinken meint das Lamm, das Osterbrot weist hin auf die Mazot (das ungesäuerte Brot), Meerrettich (Kren) ersetzt die bitteren Kräuter, der Apfel weist hin auf das Mus und das Ei auf den zerstörten Tempel in Jerusalem. Die Schale des Todes wird vom Leben zerbrochen, so deuten andere das Osterei!
Wir schauen die Osterspeisen an, angesichts dieser guten Gaben, loben wir den Schöpfer der Welt, der uns durch den Tod und die Auferstehung Christi gerettet hat! Das ist Segen in Fülle!

Ein Beispiel aus dem Alltag, das Tischgebet:
"Segne Vater diese Gaben!” , "... sei unser
Gast, und segne, was du uns bescheret hast!”–

so beten wir bisweilen beim Tischgebet.
Jesus war Jude.
Und gläubige Juden beten anders – damals und heute!
Sie setzten sich um den gedeckten Tisch und beten etwa so:

"Gebenedeit bist du Herr, unser Gott,
König der Welt,
der du uns das Brot wachsen läßt.
Gebenedeit bist du Herr, unser Gott!”
Dann wird gegessen!

Sofort fällt auf: Juden beten nicht, Gott möge ihre Speisen segnen! Es ist anders. Sie sagen: "Gebenedeit bist du!”
"Also gesegnet bist du, Gott!” Warum?
Weil die Tischgemeinschaft nicht an einem leeren Tisch, sondern an einem gedeckten Tisch sitzt und sich daher auch sättigen kann. Und das hat in den Augen gläubiger Juden mit Gott zu tun! Daher wenden sie sich Gott zu und "benedeien” segnen, preisen ihn, weil sie sich von ihm mit den Speisen beschenkt erleben! Nicht das Essen möge gut bekommen, nicht das Essen möge durch einen "Segen” noch besser werden: Gott wird genannt, ihm wird gedankt, weil er uns mit Speis und Trank seine Gaben schenkt! Segen richtet sich an Gott – nicht auf Speisen oder andere Dinge!
Wir Christen haben das von den Juden übernommen, sind Erben jüdischer Frömmigkeit. Wir schauen unser Leben so an, dass wir darin den Schöpfer-Gott und seine Fürsorge für uns entdecken. Für seine Schöpfung will Gott Leben und Wohlergehen. Er hat Freude daran, wenn in der Schöpfung Leben aufblüht und gelingt.
Sie kennen aus der hl. Messe diesen Satz. "Am Abend vor seinem Leiden, nahm er Brot, dankte, brach es und gab es ihnen ...”
Er "dankte” übersetzen wir das lateinische "benedixit” bzw. das griechische "eucharistäsas”.

Was Jesus bei "dankte” gesagt hat, mit welchen Worten er gebetet hat, finden Sie oben: "Gebenedeit bist du Herr, unser Gott, ...., der du das Brot wachsen läßt. ...”
Mit diesen Worten "danken” Juden damals wie heute den Schöpfer, segnen ihn.

Leider ist im Lauf der Jahre dieser Zusammenhang – vielleicht auch durch oberflächliche Sprache – verschüttet worden: Manche meinten, dies oder jenes sei zu segnen (Palmbuschen, Osterspeisen, usw.)
Es ist umgekehrt: Angesichts der Gaben der Schöpfung (Palmbuschen, Osterspeisen ...) segnen wir den Schöpfer, der dies alles für unser Leben und unser Wohlergehen zur Verfügung stellt: Ihn loben, ihn preisen, ihn segnen wir!

Übrigens
Auch die Osterkerze und ihr Licht wird nicht "geweiht”! Wir tragen die Kerze in die stockdunkle Kirche, ihr Licht wird jedem geschenkt, dafür loben wir den rettenden Gott und stimmen den Lobgesang, das Exultet, an: "Frohlocket ihr Chöre der Engel ...”
Wir segnen Gott (= loben, preisen ihn, danken ihm) über dem Licht der Osterkerze.

Sehr herzlich danke ich Herrn Prof. Dr. August Jilek, und Herrn Dr. Andreas Angersdorfer, Regensburg, für ihre Anregungen zu Thema Segen / beraka.

Ostern 2001