I. Verschiedene Bibelausgaben

Wer darangeht, eine Bibel zu kaufen, steht bald vor einem fast unüberschaubaren Angebot an Bibelausgaben, gedruckte und elektronische, letztere auf Datenträgern sowie auch online abrufbar. Sowohl die Originalsprachen wie vor allem die Übersetzungen sind in äußerst vielfältigen Formen zu haben.

Da die allermeisten Leute die Bibel in einer Übersetzung lesen, stelle ich die wichtigsten kurz vor.

Schauen Sie nicht zuerst auf die Aufmachung, also nicht auf den Ehrgeiz eines Verlags, der mit verschiedenen Bildern den Text durchschießt, aus dem Fundus des Mittelalters bis herauf zu zeitgenössischen KünstlerInnen. Die Einbandgestaltung ist je nach Ausgabe mehr oder minder aufwendig. Die Preise für derartige Ausgaben liegen weit auseinander.

Auf den Text der Bibel – genauer auf seine deutsche Übersetzung möchte ich Sie hinweisen. Es geht um die Heilige Schrift der Christen, die die Bücher des Alten und des Neuen Testaments in einem Buch vereinigt.

Einiges voraus:

  1. Jede Ausgabe der Bibel baut einem Irrtum vor: Der Druck, die Schrifttypen, die Umschlaggestaltung, die Papierqualität, die Heftung, das beigebundene Kartenmaterial ... – erwecken den Eindruck, als sei die Bibel erst jüngst entstanden, sei ein heutiges Buch, ein Werk unserer Tage!

    Die «Flüssigkeit der Sprache» untermauert diese Vorstellung, die Übersetzer legen darauf großen Wert (siehe unten!).

    Zwischen unseren heutigen Bibelausgaben und den Originalen liegen jedoch Welten, sowohl was die Zeit, wie das Denken und die Lebensgewohnheiten betrifft. Wahrscheinlich wird keiner von uns die Vorstellungswelt und Sprachgestalt der Semiten des Vorderen Orients vor ca. 3.000 Jahren nachempfinden und überzeugend wiedergeben können.

  2. Die Bibel enthält ganz unterschiedliche Texte: Liebeslieder, Gebete, Gesetzestexte, Geschichtsbücher ..., um nur einige zu nennen. Vielleicht findet sich einmal ein Verleger, der diesen verschiedensten Texten je ein eigenes Outfit gibt, was das Format, die Papierqualität, den Druckstock, die Einbandgestaltung betrifft: Liebeslieder wird sicherlich jeder in einer anderen Aufmachung erwarten als Gesetzestexte. Geschichtsbücher und Gebetbücher unterscheiden sich in unseren Tagen ebenfalls voneinander. Unsere gängigen Bibelausgaben hinterlassen den Eindruck, als sei die Bibel ein einheitliches Buch und nicht eine ganze Bibliothek mit recht unterschiedlichen Werken.

  3. Ein weiteres muss noch gesagt werden: Immer wieder finden sich Teil-Biblen, sogenannte Auswahltexte. Die «Bibel für die Grundschule» ist solch ein Werk auch «Die Bibel in Auswahl» der Deutschen Bibelgesellschaft. Hier fehlen aus bestimmten Gründen die allermeisten Texte, es werden nur Teile abgedruckt, meist fehlt der Text, auf den es mir ankommt.

    Von sogenannten Paraphrasen ist im folgenden nicht die Rede, das sind Textausgaben, die Teile der Hl. Schrift in nacherzählender Form enthalten, z. B. «Die Bibel in 365 Geschichten erzählt» aus dem Verlag Herder oder die dreibändige Ausgabe von Werner Laubi: «Geschichten zur Bibel» im Verlag Kaufmann und Patmos. Diese Bücher sind zwar sehr gut gestaltet und einprägsam geschrieben und helfen einem weiteren Verstehen, doch der Text der Schrift ist nicht greifbar.

  4. Unter Bibel verstehen wir die Textausgaben der Heiligen Schrift, das AT und NT zusammen, also nicht nur das Neue Testament allein!

Die Heilige Schrift

Alle hier genannten Übersetzungen greifen auf die Originale zurück, sind also nicht Übersetzungen von antiken Übersetzungen (wie der «Septuaginta» oder der «Vulgata» – dazu später).

  1. Die Einheitsübersetzung

    Ist im katholischen Raum sehr verbreitet und wird im Gottesdienst und im Religionsunterricht unserer Kirche offiziell verwendet.

    Dabei wird der Text nicht nivelliert, «vereinheitlicht», gar über einen Kamm geschoren, wie mache behaupten. Es ist auch nicht der Text der «einen» Kirche, wenngleich bei der Übersetzung evangelischen Theologen mitgewirkt haben und die Evangelische Kirche die Übersetzung autorisiert hat. Der Text des NT und der Psalmen sind gemeinsam übersetzt worden. Die Einheitsübersetzung ist Grundlage bei ökumenischen Gottesdiensten. Die Schreibweise biblischer Namen (z. B. Elisabet oder Nazaret ....) der Einheitsübersetzung wird ebenfalls in beiden Kirchen verwendet (Loccumer Konvention vom 13. 10. 1979).

    Man war bemüht, möglichst genau am Urtext zu bleiben und dennoch eine Sprache zu finden, die im Ohr nicht weh tut. So haben die Übersetzer sich immer wieder für die Textgenauigkeit oder für die flüssige Sprache entscheiden müssen.

    Derzeit ist diese Ausgabe ab ca.8,00 EUR erhältlich – bis hin zur prachtvollen ledergebundenen Ausgabe für ca. 48 EUR

  2. Die Luther Bibel

    hat in der deutschen Sprachgeschichte ein Gewicht, an dem niemand vorbei kommt. Martin Luther hat mit seiner erstmals ins Deutsche übersetzten Bibel die Sprache in unserem Land entscheidend geprägt. Die heutige «Lutherbibel» geht auf verschiedene Ausgaben zurück und umfasst auch Texte, die nicht von Luther selbst übersetzt wurden. Die Lutherbibel ist der Text in der evangelischen Kirche.

    Im Jahr der Bibel wird diese Ausgabe mit ausführlichen Einleitungen und Bildmaterial derzeit für ca. 15 EUR angeboten.

  3. Die Zürcher Bibel

    ist eine Übersetzung der reformierten Kirche der Schweiz. Sie ist weit über ihren Ursprung hinaus bekannt. Sie entstand in den Jahren 1907 bis 1931. Sie zeichnet sich durch große Worttreue und ein ausgeprägtes Gespür für Sprache aus.

  4. Die Elberfelder Bibel

    Ist eine protestantische Bibelausgabe, die in evangelikalen Kreisen sehr geschätzt ist. 1871 erstmals erschienen, versuchte sie, der Verbalinspiration gerecht zu werden (= jedes Wort ist vom Hl. Geist eingegeben!). Sie ahmt in der deutschen Sprache die Ursprache der Bibel nach. Damit war sie sehr schwer verständlich. 1960 wurde der Text überarbeitet, wobei besonders darauf Wert gelegt wurde, dass die Elberfelder Bibel die textgenaueste und zuverlässigste Übersetzung ist.

  5. Die Pattloch Bibel

    Nach dem Verlag Pattloch benannt, ist eine Übersetzung katholischer Theologen aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. Herausgeber ist Vinzenz Hamp. Seine Übersetzung liegt vielen Bildbänden, Familienbiblen, Fotobibeln zu Grunde. Sie bemüht sich sehr um Texttreue und um flüssige deutsche Sprache.

    Leider wird unter dem Namen «Pattloch Bibel» heute auch die «Einheitsübersetzung» verkauft, was vielfach zu Verwechslungen führt.

  6. Die Jerusalemer Bibel

    Geht auf eine französische Ausgabe zurück, die sich vor allem durch umfangreiche Erklärungen in den Fußnoten, durch viele Querverweise und ausführliche Einleitungen zu den verschiedenen Texten der Bibel auszeichnet. Herausgeber war die französische Bibelschule in Jerusalem (École Biblique). Der Verlag Herder hat den Text der Bibel aus dem im eigenen Haus erschienenen wissenschaftlichen Kommentaren (siehe unten!) übernommen, die Psalmen waren Neuübersetzungen der Benediktinerabtei Beuron und die Erklärungen, Einführungen und Querverweise wurden aus der französischen Ausgabe übersetzt.

    Damit aber die Sache kompliziert wird, hat der Verlag Herder vor wenigen Jahren eine Neuausgabe der Jerusalemer Bibel vorgelegt: «Neue Jerusalemer Bibel» – und tauschte darin die oben genannte Übersetzung gegen die «Einheitsübersetzung» aus, schade!

    Dennoch ist diese Ausgabe bemerkenswert, sie bringt in einem Buch sowohl Text wie Kommentar!

    Wer die ursprüngliche «Jerusalemer Bibel» noch kaufen kann, sollte zu ihr greifen!

  7. Die Gute Nachricht

    Eine Bibel im heutigen Deutsch, herausgegeben vom katholischen Bibelwerk und der evangelischen Bibelgesellschaft – beide in Stuttgart (siehe unten!) Um heutiges Deutsch zu erreichen, werden mache Passagen auch umschrieben und sehr frei übersetzt. Die Textgenauigkeit bleibt auf der Strecke, die Verständlichkeit gewinnt.

  8. Die Schrift

    (nur die hebräische Bibel)

    verdeutscht vom Martin Buber und Franz Rosenzweig liegt in fünf Bänden vor:

    • Die fünf Bücher der Weisung
    • Bücher der Geschichte
    • Bücher der Kündung
    • Die Schriftwerke
    • Das Buch der Preisungen

    Die «Schrift» ist ganz sicher die Übersetzung, die unter allen anderen herausragt, weil sie am eigenständigsten den Flair der hebräischen Sprache ins Deutsche überträgt. Die beiden jüdischen Gelehrten Buber und Rosenzweig haben in den Jahren 1925 bis 1962 dieses Werk geschaffen. Allerdings braucht diese Übersetzung die laut gesprochene Sprache – die Augen allein genügen nicht! Der Klang dieser Sprache ist gewöhnungsbedürftig, jedoch voll Kraft und sehr anschaulich.

    Wer sich eine Bibel kauft, sollte als erstes nicht zur Buber-Bibel greifen.

  9. Andere Übersetzungen (in Kommentarreihen)

    • Für das wissenschaftliche Studium gibt es mehrere Kommentare und Kommentarreihen zu den biblischen Büchern. Diese Kommentare enthalten alle eigenständige Übersetzungen der jeweiligen Autoren.
    • Beim Verlag Herder erscheint derzeit ein monumentales Werk zur Bibel des AT: Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament, herausgegeben von Erich Zenger.
    • Hingewiesen sei auf den jüdischen Kommentar von W. Gunther Plaut: Die Tora - in jüdischer Auslegung, Gütersloher Verlagshaus. Derzeit sind drei Bände (Bereschit = Genesis, Schemot=Exodus und Wajikra=Levitikus) erschienen, der vierte ist angekündigt.
    • Eine weitere wichtige jüdische Übersetzung ist von Leopold Zunz: Die vierundzwanzig Bücher der Heiligen Schrift, Victor Goldschmidt Verlag Basel, 1995 (Die Texte der hebräischen Bibel.)
    • Für den Text des NT gibt es ein besondere Ausgabe: Das «Münchener Neue Testament».
    • Der verstorbene Münchener Exeget Otto Kuss und das «Collegium Biblicum München e. V.» haben eine wortgetreue Übersetzung ohne Rücksicht auf die deutsche Sprache vorgelegt, holprig, (wer sie laut liest, dem tun die Ohren weh!) – aber bis ins letzte textgetreu.
      Wer wissen will, wie Paulus geschrieben hat, welchen Sprachstil die Evangelien pflegen, der greife zu dieser Ausgabe!

Alle in 1 bis 8 genannten Übersetzungen sind digital zur Verfügung, ebenso Bibeltexte in Hebräisch und Griechisch.

Die Luther Bibel, Einheitsübersetzung und Gute Nachricht Bibel wird derzeit zum Jahr der Bibel als Smart-Card zum Preis von je 5,00 EUR angeboten: Mit Text und Suchfunktionen ausgestattet!

Auf die beiden Bibelwerke sei hingewiesen

Katholisches Bibelwerk Stuttgart
Silberburgstraße 121
70176 Stuttgart
Tel. 07 11 / 6 19 20 -50 Fax. 07 11 / 6 19 20 -77
Deutsche Bibelgesellschaft
Balinger Str. 37
70567 Stuttgart
Tel. 07 11 / 71 81-0 Fax. 07 11 / 71 81-250