Die Firmung

"Firmung ist etwas besonderes: da kommt der Bischof und dann brauchen wir dann nicht mehr in die Kirche gehen"!
Junge Leute haben's auf den Punkt gebracht! Sie zeigen sehr nüchtern die Realität. Es mag einem noch so sauer im Magen liegen – für viele ist die Firmung die feierliche Verabschiedung aus der Kinderzeit und aus der Pfarrgemeinde.
Muss es so sein? Sicher nicht?
Hier stelle ich kurz dar, was Firmung bedeutet. Dabei gehe ich von der Praxis der Kirche von Rom im Jahr 200 aus.

Taufe – Firmung und Erstkommunion sind drei Schritte der Aufnahme in die Kirche.

Wer Christ werden möchte, bereitet sich darauf vor. Dabei geht es um zwei wesentliche Bereiche: Wer Christ werden will soll das Wort Gottes hören und soll seinen Lebenswandel neu gestalten.
Es soll also den Weg Gottes mit den Menschen im Lauf der Geschichte bis auf den heutigen Tag kennen (das Wort hören) und in seinem Verhalten sozial tätig werden (Kranke besuchen, Notleidenden beistehen, ehrbar leben ...). Drei Jahre stehen zur Verfügung, dies einzuüben. Jedem wird ein Helfer (Pate) beigegeben. Er/Sie soll ihn anleiten, ins christliche Leben einführen.
Wer Christ werden will muss drei Jahre lang im Glauben unterwiesen werden und die Nächstenliebe einüben. Christlicher Glaubensunterricht zielt auf eine veränderte Lebensweise ab.

Nach der Vorbereitungszeit (Katechumenat) bringt der Pate den Neuen in die versammelte Gemeinde: "Ich bezeuge vor euch, dass dieser drei Jahre lang das Wort Gottes aufmerksam gehört und er sich in seinem Lebenswandel der Nächstenliebe würdig erwiesen hat." Ist der Leumund erbracht, begeht die Gemeinde die Aufnahme der Neuen in einer festlichen Feier.

Die Aufnahme geschieht in der Osternacht – und nur in ihr – die gesamte Gemeinde ist zusammen: alle Christen, auch selbstverständlich der Bischof und alle Pfarrer und Diakone. Der Bischof steht der festlichen Aufnahmefeier vor.

Die Aufnahmefeier hat drei Schritte:

  1. Die Neuen werden hereingeführt, die Paten bezeugen den Leumund, die Neuen bekennen den Glauben, es folgt das Große Gebet über dem Wasser (Lobpreis Gottes), die Neuen werden im Wasser untergetaucht.
  2. Die Neuen wechseln mit allen den Friedensgruß, es folgt das Große Gebet über den Neuen (Preisung Gottes für die neuen Christen), der Bischof und alle legen ihnen die Hände auf und salben sie mit dem Duftöl, dem Chrisam.
  3. Dann werden der Tisch gedeckt, Brot und Wein herbei gebracht und über Brot und Wein der Schöpfer gepriesen (Eucharistie). Die Neuen und alle essen und trinken von den eucharistischen Gaben.

Sie erkennen unschwer die drei Schritte der Aufnahme:

  1. Taufe
  2. Firmung
  3. erstmals die Eucharistie feiern (Erstkommunion)

Diese dreifach gegliederte Aufnahme heißt seit Anfang TAUFE ist aber immer TAUFE, FIRMUNG und ERSTKOMMUNION in einer Feier.

Ihrem inneren Gehalt nach ist

  • die Taufe
    Abkehr vom bisherigen unchristlichen Leben; von nun an leben wir christ-gemäß.
  • die Firmung
    der Widerstand gegen den unchristlichen und, mit Gottes Geist gestärkt, der ausgeprägte neu gefundene Lebensstil.
  • die Eucharistie
    die Gemeinschaft der Glaubenden, ihre Lebensverbindung mit dem gegenwärtigen Herrn Jesus.

Taufe – Firmung und Erstkommunion ist von Anfang an die eine Feier der Aufnahme Neuer in die Gemeinschaft der Kirche. Dabei geht von Anfang an um erwachsene Menschen, nicht um Kinder oder gar Säuglinge. Was war damals mit den Kindern? Die wurden selbstverständlich mit ihren Eltern aufgenommen (in der oben gezeigten Feier).
Heutzutage werden Erwachsene in der Osternacht in die Kirche aufgenommen: Die Vorbereitungszeit ist vorüber, in Taufe, Firmung und Erstkommunion begeht die gesamte Gemeinde ihre Aufnahmefeier.

Auf diesem geschichtlichen Hintergrund können Sie die derzeitige Praxis begutachten:

  • Welche Bedeutung hat das christgemäße Leben?
  • Welche Rolle spielt der Pate?
  • Wollen die zu Firmenden Christ werden?
  • Welches Vorbild gibt ihnen die christliche Gemeinde?
  • Ist es erstrebenswert, in die christliche Gemeinde aufgenommen zu werden?
  • Welche Bedeutung hat der Bischof bei der Firmung?
  • Warum ist in unsren Tagen die Reihenfolge verändert? Taufe – Erstkommunion – Firmung?
  • Warum steht der Bischof nie der Feier der Erstkommunion vor?
  • Die Frage, in welchem Alter die Firmung zu feiern sei, ist nicht gelöst. Die Pubertät ist sicher eine der ungünstigsten Zeiten.
  • Warum ist, wenn theologisch falsch, die Firmung zeitlich nach der Erstkommunion?
  • Warum wird die volle Gemeinschaft mit Christus schon vorweggenommen (Eucharistie), wenn die Stärkung zum christlichen Leben noch nicht erfolgt ist?
  • Warum hat die Firmung im christlichen Leben eine so mindere, die Taufe eine so überhöhte Bedeutung?
  • Wie geschieht in unserer Pfarrei die Vorbereitung auf Taufe, Firmung und Erstkommunion?

Firmung 2000 Gruppenbild

Wir haben am Samstag, den 1. April 2000 mit unserem Bischof Manfred Müller die hl. Firmung von 58 jungen Menschen gefeiert.
Ein großes Ereignis für die jungen Leute!
Vielleicht bleibt ein Eindruck haften: Es war schön, sich darauf gut vorbereitet zu haben, die Feier hat uns miteinander gut getan.